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Pressemitteilung: Hamburger AfD-Funktionär lädt Historiker der Nazi-Szene ein

Am Dienstag, den 20. November, soll der geschichtsrevisionistische Historiker Dr. Walter Post in den Räumen des Restaurants „Fischerhaus“ am St. Pauli Fischmarkt zum Thema „Was ist in den USA los, wer regiert?“ vortragen. Post ist ein in rechten bis neonazistischen Kreisen beliebter Referent, der mehrfach vor ehemaligen SS-Soldaten, Burschenschaftern, neurechten und extrem rechten Organisationen vortrug und in entsprechenden Publikationen veröffentlichte. Außerdem war er Direktoriumsmitglied1 der neofaschistischen „Kontinent Europa Stiftung“ (KES) vor welcher der Hamburger Inlandsgeheimdienst schon 2008 in einem Beitrag warnte. Post leugnet die deutsche Schuld am zweiten Weltkrieg und ist Vertreter der wissenschaftlich widerlegten „Präventivkrieg-These“, nach der die USA, die Sowjetunion oder andere Länder einen Angriff gegen das Deutsche Reich geplant hätten, dem Adolf Hitler lediglich zuvorgekommen sei.

Eingeladen vom AfD-Funktionär

Eingeladen wurde Post vom Regionalverband der notorischen „Staats- und Wirtschaftspolitischen Gesellschaft e.V.“, dessen Leiter seit Juli 2018 Miguel Venegas ist. Der geborene Bolivianer ist aktuell im Vorstand des Kreisverbandes Harburg der AfD und kandidierte 2015 für seine Partei erfolglos zur Bürgerschaftswahl. Laut einem internen Schreiben besucht Venegas „seit vielen Jahren“ regelmäßig die braunen Schulungsveranstaltungen der SWG und ist dort durch „sein sehr tiefgehendes Wissen in Politik und Geschichte“ aufgefallen, sowie durch „sein Engagement für unser Land.“ Beobachtungen des Rechercheportal EXIF bestätigen dies. Im Juni 2016 besuchte Venegas eine SWG-Veranstaltung gemeinsam mit dem damaligen NPD-Landesvorsitzenden Thomas „Steiner“ Wulff und lauschte einem Vortrag des Geschichtsrevisionisten Dr. Stefan Scheil.2 Außerdem fiel Regioleiter Venegas durch die Teilnahme an den rechten Merkel-muss-weg-Aufmärschen im Frühjahr 2018 auf.

SWG - Bildungsvereinigung der extremen Rechten

Das „Hamburger Bündnis gegen Rechts“ warnt seit vielen Jahren vor den Aktivitäten der SWG im Dunstkreis von Nationalkonservatismus bis Neonazismus. So z.B. schon 2011, als die NPD-Anwältin Gisa Pahl im Hotel Baseler Hof referieren sollte.3 Und auch vor guten Kontakten von SWG und AfD haben wir schon länger gewarnt. Am 3. September 2013 sollte Kay Gottschalk, damals Vize-Sprecher des Hamburger Landesverbandes, und inzwischen Bundestagsabgeordneter der Partei, bei der SWG zum Thema „Was ist die Alternative für Deutschland?“ sprechen. 2014 befand sich der damalige SWG-Vorsitzende, Prof. Menno Aden, auf der Vorschlagsliste der AfD für die anstehende Wahl zum Europa-Parlament. Aden hatte sowohl das Ausmaß der deutschen Kolonialverbrechen, wie auch die offiziellen Zahlen der Holocaust-Opfer angezweifelt, die wahren Zahlen „sind geradezu strafbar gering“ schwadronierte SWG-Chef Aden 2011.4

2015 kam dann AfD-Chef Alexander Gauland höchst persönlich zu einem SWG-Seminar. Seinem Vortrag "Ein Europa selbstbestimmt vereint wirkender Vaterländer" wohnte auch die verurteilte Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel bei.5 Und 2017 referierte schließlich der AfD-Dissident Ludwig Flocken bei der SWG zu „Geschlecht und Gender aus Sicht der biologischen Wissenschaft“. Schon 2009 bis 2011 organisierte der heutige Fraktionsmitarbeiter der Hamburger AfD, Justus Burgdorf, SWG-Vorträge unter dem Titel „Hamburger Freiheitsgespräche“, die in seinem Verbindungshaus der „Landsmannschaft Mecklenburgia Rostock“ in der Sierichstraße stattfanden.6

Auch der Hamburger Inlandsgeheimdienst warnte mehrfach vor den Aktivitäten der SWG, Die Behörde behalte "insbesondere mögliche Bezüge und Kontakte der SWG zur rechtsextremistischen Szene im Fokus."7

Felix Krebs vom HBgR: „Die langjährige Vernetzung der Hamburger AfD mit der geschichtsrevisionistischen SWG, der ältesten Organisation der extremen Rechten in Hamburg und noch von ehemaligen NSDAP-Funktionären gegründet, sind ein weiterer Beleg dafür, dass alle Abgrenzungen nach Rechtsaußen bloße Lippenbekenntnisse sind. Wäre es der AfD ernst, so müsste sie Miguel Venegas mit sofortiger Wirkung ausschließen. Außerdem fordern wir das Restaurant Fischerhaus auf, alle Veranstaltungen der SWG abzusagen und Einnahmen aus vorherigen Veranstaltungen an Vereinigungen von Opfern des Nationalsozialismus zu spenden.“

Das Hamburg Bündnis gegen Rechts hat daher in einen offenen Brief an das Restaurant dazu aufgefordert, den Mietvertrag mit der SWG unverzüglich zu kündigen.

Offener Brief an die Geschäftsführung und die Mitarbeitenden des Restaurants „Fischerhaus“

Hamburger Bündnis gegen Rechts

1 https://www.bz-berlin.de/artikel-archiv/schwedischer-rechtsextremist-kauft-33-millionen-immobilie-verfassungsschutz-alarmiert

2 https://exif-recherche.org/?p=2523

3 https://www.keine-stimme-den-nazis.org/11-pressemitteilungen/6555-pm-referiert-npd-anwaeltin-in-christlichem-hotel-baseler-hof

4 https://publikative.org/2014/01/21/afd-mit-geschichtsrevisionismus-ins-eu-parlament/

5 http://www.maz-online.de/Brandenburg/Alexander-Gauland-spricht-bei-rechtem-Verein

6 https://www.zeit.de/hamburg/politik-wirtschaft/2016-11/afd-hamburg-landtag-fraktion-rechtsextremismus

7https://web.archive.org/web/20160204112932/http://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/swg100_page-1.html