*Die AfD-nahe Desiderius-Erasmus-Stiftung (DES) hat für kommenden Montag, den 7. November, ins Schloss Reinbek geladen, um unter dem Titel „Deutschland 2050“ extrem rechte Inhalte zu verbreiten. Das verraten die eingeladenen Referenten und das Tagungsmaterial. Eine Aufforderung des Hamburger Bündnisses gegen Rechts, die Veranstaltung abzusagen, weist das Schloss Reinbek zurück. Man sei offen für alle, es stünde ebenso die Lesung einer „jüdischen Lyrikerin“ im Programm. „Rechtsextremisten fühlt man sich offenbar genauso verpflichtet wie ‚jüdischen Lyrikerinnen‘,“ kritisiert Christel Stöffler vom Bündnis. „Man folgt damit einem gefährlichen gesellschaftlichen Trend der Verharmlosung rechten Gedankenguts. Die falsch verstandene Neutralität schadet letztlich der Demokratie.“*

Vier der fünf angekündigten Referenten sind Funktionsträger der AfD. Maximilian Krah, Mitglied im AfD-Bundesvorstand, referiert gern beim extrem rechten „Institut für Staatspolitik“ und warnt vor einem „Globalismus in den Farben des Regenbogens“(1). Der Berliner Sebastian Maack und der AfD-Vorsitzender Martin Reichhardt aus Sachsen-Anhalt gelten als Flügel-nah. Aufgrund dessen völkisch-nationalistischer Ausrichtung wird der Flügel vom Verfassungsschutz beobachtet. Einziges Nicht-AfD-Mitglied Jonas Schick ist Herausgeber der Zeitschrift „Die Kehre“. Die Zeitschrift möchte Heimatschutz, Brauchtum und Riten beim Umweltschutz berücksichtigen und sieht sich in der Tradition des Haus- und Hofphilosophen der Nazis Martin Heidegger.(2)

An der völkischen Ausrichtung der Tagung kommt auch in den vorab verschickten Unterlagen kein Zweifel auf. Zur inhaltlichen Vorbereitung sollen die Teilnehmenden u.a. beantworten, welches „Gift in den Seelen zum westlichen Selbsthaß (sic)“ führe und wie der „autochthonen Bevölkerung“ das Leben erleichtert werden könne. In einem mit "Kursbestimmung" betitelten Dokument warnt der Gastgeber und Vorsitzende der DES Schleswig-Holstein Dietrich Wienecke vor einer „neo-marxistischen Kulturrevolution“. Ganz in völkischer Manier schreibt er, die neue „Zivilreligion“ sei „wie ein Virus, ein Fieberwahn oder ein Rausch, der die Seelen befallen hat“. Antisemitische Codes wie „Infiltration“ und „Gehirnwäsche“ finden sich Dokument ebenso wie die Verächtlichmachung von Transpersonen oder die Warnung vor muslimischer Masseneinwanderung. Seine Stiftung sieht Wienecke als „kleine Insel geistiger Gesundheit“.

„Die Tagung offenbart: Der Stiftung ging es nie um politische Bildung, sondern um die Verbreitung extrem rechter und völkischer Ideologie.“, sagt Christel Stöffler. „*Solch menschenverachtende Ideologie darf nicht durch repräsentative Räumlichkeiten wie im Schloss Reinbek aufgewertet und veredelt werden – erst recht nicht, wenn sich das Schloss in öffentlicher Hand befindet.*“ Antifaschistische Gruppen haben Proteste angekündigt.

Hamburger Bündnis gegen Rechts