SPD-Chefin Saskia Esken bekommt für ihre Äußerung, in den Reihen der Sicherheitskräfte in Deutschland gebe es einen latenten Rassismus, Unterstützung der Türkischen Gemeinde in Deutschland. „Sie hat auf ein Problem aufmerksam gemacht, auf das wir seit langem aufmerksam machen“, sagte der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde, Gökay Sofuoglu, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Dass wir in der Polizei einen latenten Rassismus haben, das wissen wir seit den NSU-Morden“, betonte Sofuoglu. Damals sei „vieles vertuscht“ worden.

Sofuoglu räumte aber ein, dass die Polizei überwiegend bemüht sei, ihre Aufgaben „im Rahmen des Grundgesetzes“ zu erfüllen. Auch gebe es Fortschritte. Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) mittlerweile von Rassismus sprächen, sei ebenso ein Fortschritt wie die Tatsache, „dass das Thema überhaupt diskutiert wird“. Wer sich rassistisch äußere, sollte auch Sanktionen erfahren, mahnte Sofuoglu. Überdies sollten Betroffene zu Anzeigen ermutigt werden. „Das geht aber nur, wenn sie das Gefühl haben, dass dem auch nachgegangen wird“, sagte der Gemeinde-Vorsitzende.

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Es sind die Kontinuitäten, die Mouctar Bah umtreiben. Die Kontinuitäten der rassistischen Gewalt in Sachsen-Anhalt, in Deutschland – und der kontinuierliche Einsatz dagegen. Die antirassistische Demo, die am Donnerstag durch Dessau zieht, hat der 47-Jährige mitorganisiert. Dort lebt er mit seiner Familie, dort engagiert er sich in der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh. „Für uns ist das, was in den USA passiert ist, keine Überraschung“, erklärt er am Telefon. „Doch diesen Rassismus gibt es auch vor unserer Tür. Er ist nur nicht immer live im Video zu sehen.“

Seit sein Freund, der Asylsuchende Oury Jalloh aus Sierra Leone, 2005 im Dessauer Polizeigewahrsam verbrannte, hat sich Mouctar Bah der Aufklärung dieses Todes verpflichtet. „Wir konnten das nicht wahrhaben“, erinnert Bah sich und meint die anfängliche Behauptung der Behörden, Jalloh habe sich selbst angezündet. Bah und sein Freundeskreis sammelten Geld für unabhängige Autopsien und Brandgutachten.

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Nach einer Antirassismus-Demonstration in Hamburg nimmt die Polizei 36 Menschen in Gewahrsam. Viele sind minderjährig, die meisten unbeteiligt. Was ist passiert?

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Wenn man über 60 Jahre alt ist und abends um 22 Uhr in seiner eigenen Wohnung sechs Polizist*innen und einem Polizeihund gegenübersteht, wird man vermutlich keinen Widerstand leisten. Jedenfalls keinen körperlichen. Genau das aber wirft die Polizei der über 60-jährigen Petra Vollmer und dem über 75-jährigen Hartmut Wehrstedt vor.

Am Abend des ersten Mai habe es an der Tür geklingelt und er habe geöffnet, erzählt Jan Allers in einem Youtube-Video. Allers ist ebenfalls über 60 und Hauptmieter der Etage in Hamburg-Altona, wo Vollmer und Wehrstedt wohnen. In dem Video sitzen sie gemeinsam mit der vierten Mieterin an einem Tisch mit karierter Tischdecke und schildern nacheinander den gewaltsamen Übergriff.

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Die Familie von Semra Ertan war in den 1960er Jahren nach Hamburg gekommen. Bei der Gedenkveranstaltung im letzten Jahr hatte ihre Schwester Zuhal berichtet, dass Semra Ertan angesichts der Ausgrenzung und des Rassismus verzweifelt gewesen sei. Sie wollte ein Licht, einer Fackel sein, gegen blinden Hass und Pogromstimmung. Semra Ertan habe bis zum letzten Moment ihres Lebens Gedichte geschrieben. Vor ihrem Freitod hatte sie gegenüber dem NDR und dem ZDF ein Statement abgegeben:

„Ich möchte, dass Ausländer nicht nur das Recht haben, wie Menschen zu leben, sondern auch das Recht haben, wie Menschen behandelt zu werden. Das ist alles.“

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