Alexander Wolf hatte Angst. Sechs Tage vor der Bürgerschaftswahl war Björn Höcke am Montagabend bei Pegida zu Gast. Und Wolf, zweiter Mann in der Hamburger AfD und Anfang Dezember in den Bundesvorstand aufgestiegen, machte sich Sorgen. Er befürchte, dass bei der Kundgebung in Dresden „möglicherweise negative Bilder entstehen könnten, die der AfD angelastet werden“, verriet er dpa. „Denn so berechtigt das Anliegen auch sein mag, birgt eine Demonstration doch immer ein Risiko, weil man nicht kontrollieren kann, wer daran teilnimmt.“ Von Höcke, der seiner Partei gerade erst bei der Ministerpräsidentenwahl in Thüringens einen Propagandaerfolg verschafft hatte, fühlt er sich enttäuscht: „Ich hätte es solidarischer gefunden, wenige Tage vor den hamburgischen Wahlen nicht bei Pegida aufzutreten“, sagte er dem ZDF.

Die Szenen vom 1. September 2018 in Chemnitz lasten schwer auf dem Gemüt jener AfD-Politiker, die sich „gemäßigt“ geben. Neue Bilder, die den Schulterschluss ihrer Partei mit bekennenden Rechtsextremisten nahelegen, können sie nicht brauchen. Nicht in Zeiten, da sich der Verfassungsschutz dem „Prüffall“ AfD widmet. Und auch nicht in Zeiten, da ihr wohl „moderatester“ Landesverband kurz vor einer wichtigen Wahl steht.

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„Wir dürfen nicht zulassen, dass Neurechte und Neonazis sich die Straße nehmen. Nicht in Erfurt, nicht in Dresden, nirgendwo!"

Diese Grußworte von Esther Bejarano hörten heute Mittag zu Beginn der #nichtmituns-Kundgebung viele tausend Demonstrierende auf dem Erfurter Domplatz.

Genau 75 Jahre und neun Tage nach der Befreiung des KZ Auschwitz am 27. Januar 1945 durch die Rote Armee haben am 5. Februar 2020 im Landtag von Thüringen Parteien der sogenannten Mitte die wichtige Lehre aus der Nazizeit über Bord geworfen:

Kein Pakt mit Faschist*innen, niemals und nirgendwo!

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Wilhelmsburg -
Die Einladung war schon verschickt. Am kommenden Donnerstag wollte die AfD in Wilhelmsburg eine Wahlkampfveranstaltung abhalten. Als Ehrengast sollte die stellvertretende Parteivorsitzende Beatrix von Storch in der Gaststätte „Kupferkrug“  auftreten. Doch da hatten die Rechten ihre Rechnung nicht mit dem Wirt gemacht: Der hat der AfD nun eine Abfuhr erteilt.
Der „Kupferkrug“ ist ein Hotel mit Gaststätte am Niedergeorgswerder Deich. Nur 300 Meter die Straße runter befindet sich eine Sinti-Siedlung, die die Stadt Hamburg der Minderheit als Entschädigung für die während des Nationalsozialismus' erlittene Verfolgung errichtete.
Ausgerechnet hier, ausgerechnet in Wilhelmsburg, wo fast 60 Prozent der Bevölkerung einen Migrationshintergrund hat, wollte die AfD ihr engstirniges und rassistisches Weltbild feiern. Leider habe man keinen Veranstaltungsort in der Nähe des Rathauses gefunden, heißt es in der Einladung der AfD. Man wolle sich aber nicht von den „rotlackierten Faschisten“ vertreiben lassen und freue sich, den „Kupferkrug“ gewonnen zu haben.
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10.02.2020

Vor dem Hamburger Hauptbahnhof wehten rote Fahnen einträchtig neben denen der Grünen Jugend im kalten Südwestwind. Ein Orkan war für den Sonntag angesagt, politisch stehen die Zeichen im Lande schon seit Mittwoch auf Sturm. Wegen der Vorgänge in Thüringen hatten sich an diesem Freitag abend an die 1.000 Demonstranten am Bahnhof versammelt. Unter dem Motto »Kein Fußbreit! Gemeinsam gegen Faschismus« hatte ein breites Bündnis mobilisiert, das von »Fridays for Future« und den Jusos bis zur Antifa und der Interventionistischen Linken (IL) reicht.

Gegen wen es geht, ist an diesem Abend klar. »In Hamburg sagt man tschüss! AFDP und CDU«, steht auf einem Pappschild, das ein Demonstrant hochhält.

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Neustadt - Es gehört nicht viel Fantasie dazu, sich vorzustellen, dass die Macher dieser Gedenkstätte in den vergangenen Monaten ganz schön geschwitzt haben. Und dass sie umso nervöser wurden, je näher der Eröffnungstermin rückte. Die bange Frage, die sie sich sicher dauernd stellten: Schaffen wir es, dass der Streit ein Ende nimmt?

Seit Mittwoch ist sie für jedermann zugänglich: die neue Dauerausstellung im Hamburger Stadthaus. „Zentrale des Terrors“ heißt sie und erinnert daran, was das Gebäude im Nationalsozialismus war: der Ort, an dem die Nazis Verfolgung, Unterdrückung und Deportation organisierten. Hier wurden die Befehle gegeben, die Zigtausende das Leben kosteten.

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