taz.de, Andreas Speit

„Dat du min Leevsten büst, datt du woll weeß.“ So klingt es aus dem Off. Die Hamburgfahne weht im Wind. Die Kamera schwenkt über die Elbe zu einer singenden Gruppe in Trachten, sie tanzen begleitet von Akkordeon und Geige. Passanten applaudieren den jungen Frauen und Männern an den Landungsbrücken. Vielleicht glaubten sie einer touristischen Attraktion beizuwohnen. Aber dieses traditionelle norddeutsche Liedgut samt Tanz führten an diesem Tag Mitglieder der Identitären Bewegung vor. Jener neurechten Bewegung, die sich sonst betont trendig gibt und sich von der alt-völkischen Szene der Bundesrepublik abgrenzt. Am Ende des Videos wird die Parole eingeblendet: „Wehrt euch und werdet aktiv. Komm in die Bewegung – Identitäre Bewegung.“

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Zeit, Hauke Friederichs

Vor 80 Jahren starb in Hamburg der Kolonialoffizier Victor Franke. Er war für Kaiser Wilhem II. in Afrika – und wurde dort gefürchtet. Die Nazis verehrten ihn.
Zahlreiche Uniformierte versammeln sich an diesem Freitag, den 11. September 1936, um kurz vor 11 Uhr vor der Großen Halle des Krematoriums auf dem Friedhof Ohlsdorf. Hohe Wehrmachtsgeneräle, ehemalige Offiziere der Schutztruppe und Nationalsozialisten in ihren braunen Hemden. Auch viele Reporter sind gekommen. Die Trauerfeier für Victor Franke, Generalmajor a.D., ehemaliger Kommandeur der Schutztruppe von Deutsch-Südwest, ist ein gesellschaftliches Ereignis.
Kränze werden im Auftrag des Auswärtigen Amtes, des Senats, des Oberbefehlshaber des Heeres, von der Auslandsorganisation der NSDAP, dem Deutschen Kolonialkriegerbund Nord-Hamburg und von Hamburgs NS-Reichsstatthalter Karl Kaufmann niedergelegt. Einen "deutschen Helden" nennt ihn der Divisionspfarrer, der die Trauerrede hält.
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Antifa, via Linksunten.Indymedia

Der NPD-Landesverband Schleswig-Holstein und dessen Kreisverbände sind in den letzten Jahren gezielten antifaschistischen Interventionen ausgesetzt gewesen, deren Wirkung - im Zusammenspiel mit hausgemachten Problemen - Jahre später erste Erfolge im Zermürbungskampf gegen Mitglieder, Unterstützer_innen, Infrastruktur und Anlaufpunkte zeigt.
 
Anfang 2013 outeten Antifaschist_innen in Schleswig-Holstein einen Großteil der Mitglieder des NPD-Kreisverbandes Segeberg-Neumünster und gingen in diversen Kampagnen offensiv und militant gegen Mitglieder der NPD vor. Die Kampagne «An die Substanz» deckte rechte Infrastruktur in Schleswig-Holstein auf und ging ebenfalls offensiv gegen jene vor. Anfang November diesen Jahres war es soweit: Die NPD in Kiel gibt auf. Der Kreisverband Kiel-Plön, Rendsburg-Eckernförde, der faktisch seit jeher nur in Kiel und den umliegenden Gemeinden existierte, ist aufgelöst. Um diese Niederlage etwas zu kaschieren, wurde der Kreisverband an den Kreisverband Segeberg-Neumünster angegliedert und heißt jetzt «Mittelholstein», doch die Umstände der letzten Jahre und das öffentliche Schweigen der NPD zu der Umstrukturierung lassen deutlich erkennen, dass dies die einzige Möglichkeit war, zumindest nach außen noch in der Landeshauptstadt Kiel vertreten zu sein.
 
Die Situation des NPD-Kreisverbandes Lauenburg-Stormarn sieht ähnlich desaströs aus. Gerade einmal 14 Mitglieder sind aktuell im Kreisverband organisiert. Die Kreise Herzogtum Lauenburg und Stormarn sind in der Fläche drei mal größer als die angrenzende Stadt Hamburg und liegen im südöstlichen Teil Schleswig-Holsteins an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern.

Mobiles Beratungsteam gegen Rechtsextremismus, Hamburg

Alle Jahre wieder fragen wir: Was passierte im Bereich Rechtsextremismus in den verschiedenen Bundesländern? Welche Themen waren wichtig, welche Akteure und Akteurinnen? Heute: Hamburg.
Im neonazistischen Spektrum war in Hamburg 2016 einiges an Bewegung: die "Weiße Wölfe Terrorcrew" wurde im März 2016 verboten. Es entstanden andere Zusammenschlüsse, deren Beständigkeit und Wirkungsgrad es noch abzuwarten gilt. Unter dem Motto „Gemeinsam für Deutschland“ fanden in der Metropolregion Hamburg verschiedene Veranstaltungen statt, an denen auch Hamburger NeonazistInnen beteiligt waren. Hierbei gab es auch den Versuch, als „Division Nordland“ ein neues uniformes Auftreten norddeutscher Neonazistrukturen zu etablieren. Als „Bündnis Deutscher Patrioten“ wurden Ende des Jahres mindestens zweimal auch in Hamburg Aktionen für Wohnungslose bzw. vielmehr gegen Geflüchtete durchgeführt. Die NPD Hamburg konnte zu ihren wenigen Info-Tischen und Veranstaltungen kaum AnhängerInnen mobilisieren und gleichzeitig wurde der zivilgesellschaftliche Widerstand wieder stärker. Nach dem Austritt des bundesweit bekannten Kaders Thomas Wulff Ende August, wurde auf dem  Landesparteitag Lennart Schwarzbach zum neuen Vorsitzenden gewählt.
 Die Identitäre Bewegung als Akteurin der neuen Rechten  war in diesem Jahr verstärkt präsent. Es kam zu mindestens zwei „Stammtischtreffen“, verschiedene rassistisch konnotierten Aktionen fanden statt. Mit der Alternative für Deutschland ist zudem auch in Hamburg eine rechtspopulistische Partei im Parlament vertreten, die als Sammelbecken verschiedener rechter Positionen mit ihren vielfach ethnisierenden und rassistischen Deutungen sozialpolitischer und gesamtgesellschaftlicher Herausforderungen hauptsächlich das Thema Flüchtlingspolitik, aber auch die Themen Linksextremismus oder Familienpolitik nutzt.

Hamburger Abendblatt, von Michael Schick

Kleidung für die rechte Szene wird nicht verkauft. Eine Initiative gegen umstrittenen Shop in Norderstedt gegründet.

Norderstedt.  Die Rollläden sind heruntergelassen, das Leuchtschild "outlet" ist abmontiert. Was die Stadt am Freitag verfügt hat, ist eingetreten: Der Thor-Steinar-Laden in Norderstedt ist geschlossen. Das Ordnungsamt machte das Geschäft, in dem Kleidung für die rechte Szene verkauft wird, nicht einmal zwei Stunden nach der geplanten Eröffnung wieder dicht. "Für uns hat sich die Situation seitdem nicht verändert", sagte Rathaussprecher Bernd-Olaf Struppek am gestrigen Montag. Es handele sich um ein laufendes Verfahren, zu dem die Stadt keine weiteren Angaben mache.