„Querdenken 711“ heißt eine Gruppe aus Stuttgart, die ursprünglich zu der Demo aufgerufen hatte. Auch in Hamburg gibt es einen Ableger. Doch wer steckt dahinter und was will die Initiative wirklich?

„Wir sind überparteilich und schließen keine Meinung aus“, heißt es im Manifest auf der Webseite des Hamburger Ablegers „Querdenken 40“. Die Bewegung wolle sich für Freiheit und das Grundgesetz einsetzen, langfristig seien Neuwahlen ihr politisches Ziel. Die Corona-Regeln zur Eindämmung der Pandemie verstehen sie als Beschränkung ihrer persönlichen Freiheit.

weiterlesen

"Das ist alles eine Farce!", brach es aus Esther Bejarano heraus. "Er hat alles gesehen, er hat alles gewusst!" Am 9. Dezember 2019 hatte die Überlebende der KZ Auschwitz und Ravensbrück einer Verhandlung im Stutthof-Prozess beigewohnt.

Heute ist das Urteil im vielleicht letzten NS-Prozess gesprochen worden. Das Gericht sprach den Angeklagten schuldig. Das Strafmaß: zwei Jahren auf Bewährung unter Berücksichtigung seiner Jugend zur Tatzeit bei Übernahme der eigenen Prozesskosten, z. B. für seine Verteidigung. Bruno Dey muss nun wohl nicht im hohen Alter ins Gefängnis, das ist im Sinne vieler Nebenkläger*innen, die das immer wieder betont haben.

Das Gericht definierte aber auch eine neue Form der Schuld: Jeder Bewacher hat gesehen, dass die in die Konzentrationslager Verschleppten schon beim ersten Betreten der Vernichtungslager todgeweiht waren. Die Richterin stellte fest, dass Bruno Dey seine Schuld verdrängt und gelogen hat. Und selbst in seinem letzten Wort hat er seine Schuld nicht anerkannt, er schien nur Beobachter zu sein. Wie war es möglich, dass er das Leiden sah, aber nicht berührt war, wie konnte er Menschlichkeit und Gewissen ausschalten und sich an das Grauen gewöhnen?

weiterlesen

Sie schlugen ihn. Traten ihm ins Gesicht. Immer wieder. Es war purer Hass, der die Täter antrieb. Und als Mehmet Kaymakçi nur noch röchelnd und wahrscheinlich schon sterbend da lag, hoben die drei Täter einen Betonblock an und ließen ihn fallen. Er zertrümmerte den Kopf des 29-jährigen türkischen Maurers.
Am 24. Juli 1985 starb Mehmet Kaymakçi am Rande des Kiwittsmoorparks in Langenhorn. In wenigen Tagen jährt sich dieses abscheuliche Verbrechen zum 35. Mal. Eine Tat, die völlig in Vergessenheit geraten ist. Aber das soll nicht so bleiben. Gerade heute sei es wichtig zu zeigen, wohin Rassismus führt. Deshalb haben SPD, CDU, die Grünen, die Linken und die FDP in der Bezirksversammlung Nord 5000 Euro für eine Gedenktafel genehmigt, die an der Straße Hohe Liedt aufgestellt werden soll.
Weiterlesen

Die Vertreter der Nebenkläger im Prozess gegen einen ehemaligen Wachmann im KZ Stutthof haben eine Verurteilung des Angeklagten wegen Beihilfe zum Mord gefordert. Sie verlangten am Freitag in ihren Plädoyers aber keine höhere Strafe als die bereits vom Staatsanwalt beantragten drei Jahre Haft.

Rechtsanwalt Markus Goldbach sagte, sein in Israel lebender Mandant wünsche keine Strafe für den 93-Jährigen. “Man sollte ihm vergeben”, habe der zurzeit im Sterben liegende ehemalige Stutthof-Gefangene erklärt. Nebenklage-Vertreter Mehmet Daimagüler sagte, auch seine Mandanten wollten ausdrücklich nicht, dass der 93-Jährige ins Gefängnis komme. Der Anwalt sprach sich dafür aus, den ehemaligen Wachmann zu einer Bewährungsstrafe zu verurteilen.

weiterlesen

Am 19. Juli 1942 musste sich Hilde Dublon auf dem Schulhof der Volksschule Schanzenstraße einfinden. Sechzehn Jahre alt war sie damals. Ihr Vater arbeitete als Viehhändler, auktionierte Rinder in den Räumen, in denen sich heute das Restaurant Bullerei von Tim Mälzer befindet. Mit ihren Eltern und einer Tante wurde Hilde vom Schulhof mit Polizeiautos zum Hannoverschen Bahnhof, nahe der heutigen HafenCity gebracht. Von dort aus transportierten die Nazis sie nach Theresienstadt in ein Ghetto. Ein Jahr später starb sie dort an Typhus.
Anzeige

Die Nazis deportierten am 15. und 19. Juli 1942 über 1.700 jüdische Menschen wie Hilde nach Theresienstadt. Es war die sechste Zwangsverschleppung aus Hamburg und die letzte große. Unter den Deportierten waren 155 Anwohner des Weidenviertels, viele aus dem Grindelviertel und einige aus der Hamburger Umgebung. Von den rund 1.700 Personen überlebten nur 146.
„Das Grauen begann in unserer Nachbarschaft“

weiterlesen