Manchmal fallen Entscheidungen schnell: Am Sonntag trat ein Kriminalhauptkommissar aus Hannover bei einer „Querdenken“-Demo in Dortmund, die neben Impfgegner*innen und ­Verschwörungsmythenverfechter*innen auch extrem rechte Gruppen anzog, als Redner auf. Am Dienstag wurde er vorläufig vom Dienst suspendiert.

Die Rede des 57-Jährigen erschreckte auch, weil er früher für die Bewertung der Sicherheitsmaßnahmen einer jüdischen Einrichtung in Niedersachsen zuständig war.

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So frech sommerlich-sportlich kam noch keine Guerilla daher. Auf dem Video, das die samstägliche Veranstaltung von „Querdenken40“ in der City dokumentiert, sind Menschen zu sehen, die aussehen wie der Tim aus der IT oder die Britta aus der Buchhaltung. Auf der Bühne gibt sich derweil das Who is Who der professionellen Corona-Leugner-Szene das Mikro in die Hand. Bodo Schiffmann und Anselm Lenz sind auch da.

Es gibt guten Grund, dort genau hinzuschauen, wo nach US-Vorbild der Gesellschaft die Rationalität entzogen werden soll. Es ist wichtig aufzuzeigen, dass es ein äußerst toxisches Umfeld gibt, in dem sich Leute wie selbstverständlich bewegen, die noch vor Kurzem in der Mitte der Gesellschaft gestanden zu haben schienen.

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Kundgebung

Am Samstag, den 22. August, um 16 Uhr lädt die Initiative für ein Gedenken an Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân zur Kundgebung und Gedenkveranstaltung ein. Treffpunkt ist in der Halskestraße 72 in Billwerder/Moorfleet.
An diesem Ort hatte die rechtsextreme Terrorgruppe „Deutsche Aktionsgruppen“ vor 40 Jahren Brandsätze in eine Unterkunft von Geflüchteten in der Halskestraße 72 geworfen und rassistische Parolen an die Wand geschmiert. Sie trafen das Zimmer von Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân, welche wenig später den Brandverletzungen erlagen. Die beiden jungen Männer waren erst wenige Monate zuvor aus Vietnam nach Hamburg geflohen.

Erinnern und öffentliches Trauern seien wichtige Formen des politischen Protestes, so die Initiative in Gedenken an Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân. Seit sechs Jahren fordert sie die Umbenennung der Halskestraße in Châu-und-Lân-Straße, die Umbenennung der dortigen Bushaltestelle sowie die Schaffung eines würdigen Gedenkortes mit Informations- und Erinnerungstafeln. Mitte 2019 konnte die Initiative die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte überzeugen, dass ein Gedenkort für Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân notwendig ist. Die Straßenumbenennung trifft jedoch bis heute auf Widerstände des Senats. Auf der Kundgebung wird die Initiative über den aktuellen Stand berichten. Außerdem wird sie aktuelle rechtsterroristische Entwicklungen und deren lange Geschichte thematisieren. Seit mehr als 40 Jahren weisen Betroffene auf die Gefahr des Rechtsterrorismus hin. Es ist Zeit, dass sie gehört werden, so die Initiative.

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Waren es jetzt 1,3 Millionen oder doch nur 20 000? Viel wurde gestritten über die Zahl der Teilnehmer*innen an den verschwörungsideologischen Protesten mit extrem rechter Schlagseite am vergangenen Wochenende. Dass Quantität auch in Qualität umschlagen kann, haben andere bereits entdeckt. Doch muss man sich bei den Veranstaltungen nur die Qualität der Aussagen ansehen, um zu erschrecken: »Statt Distanzierung und einer Absage an Antisemitismus und Rechtsextremismus boten die Versammlungen für ebensolche Artikulation den öffentlichen Raum«, schreibt die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus, kurz: RIAS, in einem Bericht, den sie am Donnerstag veröffentlicht hat. Insgesamt zählt sie elf konkrete Fälle von Antisemitismus bei der Demonstration durch den Berliner Bezirk Mitte mit anschließender Kundgebung vor der Siegessäule.

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„Vorne NS-Monumentalbau, hinten schicke Wohnungen. Das wird dem Bau in jeglicher Hinsicht nicht gerecht“, sagt der Architekturkritiker Ralph Lange über einen denkmalgeschützten Nazi-Bau in Hamburgs Villenviertel Harvestehude. Das ehemalige Wehrmachtsgebäude wurde vor einigen Jahren zur Luxus-Wohnanlage umgebaut. In Anbetracht der Kriegsverbrechen der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg „hätte man sich mehr historische Sensibilität und Verantwortung gewünscht“, findet Lange.

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