Olaf WunderGegen Freibier Germania Hanse Marathon 2019

Am Sonntag ist es wieder so weit: Längs der Marathonstrecke werden Tausende Schaulustige jubeln und die Läufer anfeuern. Das viele Brüllen macht durstig. Und wenn dann da einer mit einem Freibierstand steht, dann ist die Freude natürlich groß.

Genau das ist das Kalkül der rechtsextremistischen Burschenschaft Germania, deren Verbindungshaus sich an der Sierichstraße und damit direkt an der Laufstrecke befindet. Bei der „Germania“ hat es schon Tradition, den Marathon zu kapern und mithilfe einer Freibieraktion Werbung für ihre fragwürdige Sache zu machen.
Wer das Bier ausschlägt, muss damit rechnen, beschimpft zu werden.

Diesmal gibt es Protest – von der Marathon-Abteilung des FC St. Pauli: „Der Marathon ist ein Sportereignis, das Menschen verbindet. Die Ideologie der Burschenschaft Germania steht diesem Gedanken diametral entgegen.“
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Pressemitteilung FC St. Pauli Marathon:

Die Hamburger Burschenschaft Germania ist eine Studentenverbindung, die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft wird. Nach außen versuchen sich die Burschenschaftler gemäßigt zu präsentieren. Dafür instrumentalisieren sie alljährlich den Hamburg Marathon, bei dem sie vor ihrem Verbindungshaus in der Sierichstraße einen Stand aufbauen, an dem alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Marathons vorbeilaufen müssen. Die Burschenschaftler grillen in ihrem Vorgarten und bieten Bier an.

Dass es ihnen aber nicht um ein gemütliches Beisammensein geht, zeigt ein Bericht in den “Burschenschaftlichen Blättern”1. Darin heißt es, die Burschenschaftler hätten an ihrem Verbindungshaus zum Marathon Plakate mit politischen Parolen aufgehängt, damit “die Politik für die 25.000 Teilnehmer auch nicht zu kurz kommt”. Der Bierausschank sei zudem eine gute Gelegenheit, um ins Gespräch zu kommen und die “eine oder andere interessante Diskussion zu führen”. Läuferinnen und Läufer, die kein Bier von den Rechtsextremen annehmen wollten und dies auch artikulierten, werden in dem Beitrag als “Mensch*innen von der anderen Feldpostnummer”, “erbärmlicher antifaschistischer Widerstand” und “linke Spießer” bezeichnet.

Es gibt viele gute Gründe, das Bier von den Burschenschaftlern auszuschlagen: So handelt es sich bei der Burschenschaft Germania um einen reinen Männerbund, Ausländer sind ebenfalls nicht als Mitglieder zugelassen. Der Hamburger Verfassungsschutz notiert in seinem Bericht für 2017,2 zudem, die „HB! Germania“ habe in dem Berichtsjahr “ihre Beziehungen zu anderen Gruppierungen in der rechtsextremistischen Szene” ausgebaut. Demnach bestehen beispielsweise zur „Identitären Bewegung“ enge Beziehungen und teilweise personelle Überschneidungen. Die Burschenschaft trete in ihrer Außendarstellung politisch relativ zurückhaltend auf, schreibt der Geheimdienst. Dennoch falle sie immer wieder in einschlägiger Weise auf: “So konnten im März 2016 Nachbarn und alarmierte Polizeibeamte deutliche „Sieg Heil“-Rufe aus dem Haus der „HB! Germania“ hören.” Das Landesamt für Verfassungsschutz betont, es handele sich nach vorliegenden Erkenntnissen bei entsprechenden Vorfällen um “keine einzelnen Ausnahmen, sondern Ausdruck einer innerhalb der „HB! Germania“ verbreiteten Grundhaltung.”

Der Hamburg Marathon ist ein Sportereignis, das Menschen verbindet. Die Ideologie der Burschenschaft Germania steht diesem Gedanken diametral entgegen.

Daher: Kein Bier mit der Burschenschaft Germania, kein Raum für Rechtsradikale, keine Instrumentalisierung des Hamburg Marathon.

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FC St. Pauli Marathon
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1 https://www.facebook.com/GermaniaHamburg/photos/a.331226716966334/850224365066564/? 
2 https://www.hamburg.de/contentblob/11448332/ffb33a5af30a49a6547d5f5470477e85/data/vsb2017-pressefassung.pdf

In Göttingen, Hannover und Lüneburg hielt die rechtsextreme Partei Kundgebungen mit wenigen Aktivisten ab. Eine weitere Versammlung, die für Hamburg-Harburg angemeldet war, fiel aus. Die vierte Kundgebung hatte die NPD im Vorfeld in einer „Überraschungsstadt“ angekündigt.

Nur rund ein Dutzend Mitglieder und Sympathisanten kamen jeweils zu den Kundgebungen. Prominentes Personal, etwa der Spitzenkandidat und bisherige NPD-Europaabgeordnete Udo Voigt, konnte man bei den Mini-Kundgebungen nicht entdecken. Stattdessen musste die zweite Reihe antreten. So sprach der aussichtslose zweitplatzierte Kandidat, Ronny Zasowk, bei den Kundgebungen. Interessierte Zuhörer fand die NPD jedoch nicht.
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Bei einer Veranstaltung in Hamburg zeigen norddeutsche AfD-Politiker, wie sie es inhaltlich mit dem Thema Klimaschutz halten.
Redner und Organisator beim Singen des Deutschlandliedes; Photo: Otto Belina
Es soll um das Thema „CO 2 -Wahnsinn“ gehen und der AfD-Redner fordert: „Man müsste Millionen Menschen hier aus dem kalten Norden aus Deutschland in den warmen Süden nach Afrika und den Orient verfrachten! Das wäre echter Klimaschutz!“ Der Rostocker Politiker der „Alternative für Deutschland“ (AfD), Steffen Reinicke, machte auch keinen Hehl daraus, wen er abschieben würde. Zuvor hatte er behauptet, vor allem die Grünen hätten diese „Millionen von Menschen“ hierher „verfrachtet“ und nun „brauchen sie alle warme, beheizte Wohnungen“.
Der Lokalpolitiker macht sich auf dem Dag-Hammarskjöld-Platz vor dem Hamburger Dammtor-Bahnhof nicht einmal die Mühe, ernsthaft auf das wichtige Umwelt-Thema einzugehen. Um seine rund 60 Zuhörer in der Kälte bei der Kundgebung der Gruppe „Merkel muss weg“ bei Laune zu halten, ist nur ein Thema nötig. „Michel, wach endlich auf“, lautet das Motto dieser Veranstaltung, die zweifelsohne von der AfD dominiert wird.
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Am Sonntag, dem 14. April 2019, versammelten sich am Hamburger Bahnhof Dammtor etwa 100 Rechte zu einer Kundgebung unter dem Motto: «Michel, wach endlich auf!». Dies war ein erneuter Versuch, mit rechten Inhalten den Hamburger Raum zu erobern. Bereits im letzten Jahr hatte der gleiche Kreis mehrfach Aufmärsche im Zentrum durchgeführt, die unter dem Motto «Merkel muss weg» (MMW) angekündigt wurden. Neben dem bekannten und mehrfach verurteilten rechten Hetzer Michael Stürzenberger aus Bayern, standen am vergangenen Sonntag die AfD-Politiker Steffen Reinicke und Johannes Salomon aus Mecklenburg-Vorpommern am Mikrofon. Salomon nutze die Bühne für Wahlkampfzwecke und rief mit den Worten „Ich bitte um eure Stimme für die Partei der Vernunft“ dazu auf, am 26. Mai bei der Europawahl die AfD zu wählen.
Neben Holocaustleugner Wolfram Schiedewitz, dem NPD-Landesvorsitzenden Lennart Schwarzbach und der NPDlerin Nelia Kiss, nahm auch der Chef des deutschen Ablegers der «Identitären Bewegung» (IB), Daniel Fiß aus Rostock, am Sonntag an dem Aufmarsch teil. Erst kürzlich wurde bekannt, dass die AfD in Mecklenburg-Vorpommern mehrfach hohe Geldbeträge an Fiß überwiesen hat, was die Farce des Unvereinbarkeitsbeschluss der Partei erneut verdeutlicht.