Es ist ein regnerischer Sonntagnachmittag in Frankfurt, dunkel und kalt – und trotzdem sind hunderte Menschen zur Möllner Rede im Exil ins Historische Museum gekommen. Im Saal, in dem gleich die Gedenkveranstaltung stattfinden soll, sitzen weit mehr als 200 Gäste. Junge und ältere Menschen, weiße Deutsche und Menschen of Color. In der Hoffnung, doch noch in den Saal zu kommen, stehen viele Menschen noch draußen. Am Eingang führen Mitarbeiter*innen einer Securityfirma Einlass- und Taschenkontrollen durch.

In der Nacht auf den 23. November 1992 waren Yeliz Arslan, Ayşe Yılmaz sowie ihre Großmutter Bahide Arslan bei Brandanschlägen in Mölln ermordet worden. Neonazis hatten Molotowcocktails in ihre Wohnung geworfen. Gerade einmal vier Jahre war die Möllner Rede Teil des offiziellen Gedenkens der Stadt Mölln. Dass die Familie und die Angehörigen die Redner*innen selbst aussuchen, schien nicht länger erwünscht. Als kritische Bestandsaufnahme zu gesellschaftlichem Rassismus, Neonazismus und Umgang mit Gedenken findet die Rede seitdem im Exil statt – dieses Jahr in Frankfurt unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen.

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