Die Worte hat man schon oft gehört. Dass man sich wehren müsse gegen Neonazis und rechte Populisten. Dass Menschen in unserer Gesellschaft diskriminiert, ausgegrenzt, bedroht, geschlagen und getötet werden wegen ihrer Herkunft, Religion oder Hautfarbe. Dass man gegen Rassismus und Antisemitismus kämpfen müsse. Man hat solche Sätze schon so oft gehört, dass viele gar nicht mehr hinhören.

An diesem Dienstag hat niemand weggehört. Da steht diese kleine, alte Frau am Kaiser-Friedrich-Ufer in Eimsbüttel, wie sie es an jedem 15. Mai tut. Seit 33 Jahren kommt Esther Bejarano an diesen Ort. Dorthin, wo Schüler, Lehrer, Studenten und Professoren 1933 Bücher verbrannten. Jetzt erzählt Bejarano aus ihrem Leben. Von der Verschleppung ihrer Eltern 1941 nach Litauen, wo sie erschossen und verscharrt wurden. Von der Ermordung ihrer Schwester 1942 in Auschwitz.
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