Seit vielen Jahren engagieren wir uns für die Entschädigung der Opfer
der Naziverbrechen in Griechenland. Wir unterstützen aber auch die
Forderung nach Reparationen und Rückzahlung der Zwangsanleihe, die
Nazideutschland dem griechischen Staat während der deutschen Besatzung
abgepresst hatte. Gemeinsam mit Freundinnen und Freunden aus
Griechenland und Deutschland streiten wir für dieses Ziel. Deutschland
muss seine Schulden gegenüber den Menschen in Griechenland anerkennen
und bezahlen! Dies ist für uns eine zwingende Lehre aus der Geschichte.
Die Verbrechen Nazideutschlands müssen zu Konsequenzen führen, sonst
droht eine Wiederholung.

Mit großer Sorge beobachten wir das Erstarken rechter bis faschistischer
Bewegungen und Parteien in ganz Europa und darüber hinaus.
Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus und Homophobie breiten sich
überall aus, in Polen und Ungarn regieren die Rechten bereits, ebenso in
Österreich. In Deutschland hat sich mit der AFD eine rechte Partei
etabliert, deren Nähe zum Nationalsozialismus immer deutlicher wird. In
Griechenland treibt die „Goldene Morgenröte“ ihr Unwesen, eine Partei,
die sich unverhohlen in der Tradition der NSDAP sieht. In Thessaloniki
und Athen fanden kürzlich große Demonstrationen gegen „Makedonien“ statt
– unter anderem von der griechischen Rechten organisiert; auch die
neonazistische oder neofaschistische Partei „Goldene Morgenröte“ war
beteiligt. Besetzte Häuser und Treffpunkte von Linken in Thessaloniki
wurden durch Faschisten angegriffen.

Wir halten den Kampf gegen die organisierte Rechte und gegen
nationalistische Ideologien für zwingend notwendig. Die Fixierung auf
den Nationalismus dient dazu, von den wirklichen Problemen abzulenken,
nämlich von einer Politik, die in den vergangenen Jahren zu einer
drastischen Verarmung weiter Kreise der griechischen Bevölkerung geführt
hat. Hierfür sind griechische, deutsche und europäische Politiker und
die dahinter stehenden Kapitalinteressen verantwortlich.

Wir waren stets solidarisch mit den Menschen in Griechenland, die mit
großer Mehrheit „Nein“ sagten zur weiteren Ausplünderung und Verarmung
Griechenlands und wir werden auch weiter mit allen Menschen solidarisch
sein, die sich gegen die brutale Sparpolitik zur Wehr setzen. Wir
kritisieren allerdings, dass sich auch „Linke“ an den nationalistischen
Demonstrationen in Thessaloniki und Athen beteiligt haben. Ob aus
taktischen oder anderen Motiven: Niemals darf es Bündnisse oder
Gemeinsamkeiten mit nationalistischen oder gar faschistischen
Organisationen geben.

Wir dürfen uns von nationalistischen, menschenverachtenden und
kriegstreiberischen Ideologien niemals spalten lassen sondern wir müssen
solidarisch sein mit den Menschen, die nach Europa flüchten vor der
Zerstörung und Ausplünderung ihrer Herkunftsländer, vor Krieg und
Bürgerkrieg. Wir dürfen es nicht hinnehmen, dass Europa sich abschottet
und dass Menschen auf dem Weg nach Europa sterben! Dies ist ein Gebot
der Humanität, aber auch eine Lehre aus der Geschichte.

Wir müssen gemeinsam den Kampf gegen Nationalismus und Faschismus
führen, egal aus welchem Land wir kommen. Wir müssen gemeinsam für die
Entschädigung aller NS-Verbrechen kämpfen und für Reparationsleistungen
an die von Nazideutschland besetzten Länder. Auch dies ist für uns die
Lehre aus der Geschichte.

AK-Distomo
Hamburg, den 1. März 2018

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