Kontext-Wochenzeitung, Andrea Röpke

In völkischen Jugendorganisationen wird seit Jahren extrem rechter Nachwuchs herangezogen. Inzwischen gehen die Sprösslinge in der Identitären Bewegung auf, die gute Kontakte zur AfD pflegt.
"Datt du mien Leevsten büst, datt du wohl weest", singen sie und tanzen dazu im Reigen, die Röcke der jungen Frauen wiegen sanft. Musikalisch wird das niederdeutsche Volkslied von drei Frauen in Dirndl begleitet, sie spielen hingebungsvoll Geige und Akkordeon. Passanten bleiben neugierig stehen und lauschen den heimatlich anmutenden Klängen am Jungfernstieg in Hamburg.
Doch der Auftritt ist kein Privatvergnügen, sondern rechter Aktionismus. Die Identitäre Bewegung (IB) Hamburg und Niedersachsen postete das kurze Video Ende 2016, es ist immer noch online. Im Januar 2017 hielten die norddeutschen Sektionen der Identitären Bewegung zudem ihr erstes "Volkstanzwochenende" an geheimen Ort in der Lüneburger Heide ab. Wo einst die Wiking-Jugend ihr Zentrum hatte, liegt heute wieder ein Schwerpunkt extrem rechter Jugendaktivität. Dort wo es ein kaum überschaubares Geflecht völkischer Familienverbände gibt, deren Kontakte bis in die AfD und NPD reichen, wird Brauchtum mit Sonnenwenden, Härtemärschen oder Volkstänzen gepflegt.
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