Zehn Menschen sollen vom NSU getötet worden sein. Auf Einladung der Uni kommt nun der Bruder eines der Opfer nach Bremen. Im Interview erzählt er vorab, wie er den Umgang mit dem Mord erlebt hat.
Gedenken an Süleyman Tașköprü im Jahr 2012: Der 31-jährige Obst- und Gemüsehändler wurde in seinem Laden in Altona erschossen.

Herr Tașköprü, 2001 wurde ihr Bruder ermordet. Noch immer läuft der Prozess, ein Mammutverfahren mit bisher mehr als 400 Tagen. Wie nehmen Sie den Prozess wahr – und waren Sie bei Gerichtsterminen in München?
Osman Tașköprü: Das meiste verfolge ich über Nachrichten und im Fernsehen. Es zieht mich zu sehr runter, vor Gericht dabei zu sein. Ich würde wütend werden und das möchte ich nicht. Aber ich war im Gericht, als mein Vater dort als Zeuge seine Aussage gemacht hat. Er war ja derjenige, der meinen Bruder in unserem Obst- und Gemüseladen gefunden hat. Mein Vater war unterwegs, um Oliven zu kaufen, und als er zurückkam, fand er meinen Bruder in einer Blutlache. Er hat erst gedacht, das ist nicht Blut, das ist vielleicht Wein. Im ersten Moment hat er gar nicht verstanden, was los war.
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