ZEIT-online, Karsten Polke-Majewski

Lange galt der mutmaßliche Rechtsterrorist Timo S. bei Dresdens Ermittlern als unbescholtener Bürger. Dabei wussten Verfassungsschützer schon früh, dass das nicht stimmt.

"Ein unbeschriebenes Blatt." So nannte die Generalstaatsanwaltschaft Dresden den mutmaßlichen Rechtsterroristen Timo S. noch im Februar des vergangenen Jahres. Für die Staatsanwälte war der mutmaßliche Rädelsführer der Terrorgruppe Freital damals ein einfacher Busfahrer, ohne Vorstrafen, der den Behörden nie zuvor als Rechtsradikaler aufgefallen war. Ein unbescholtener Bürger aus der Mitte der Gesellschaft eben, der irgendwann begann, Flüchtlingsunterkünfte anzugreifen.
Eine fatale Fehlannahme. Dokumente des Hamburger Verfassungsschutzes und des Landeskriminalamts Hamburg, die ZEIT ONLINE einsehen konnte, zeigen, dass die Sicherheitsbehörden Timo S. schon seit 2009 kannten. Er war ihnen mehrfach im Zusammenhang mit rechtsextremistischen Aktionen aufgefallen. Doch das gaben die Hamburger offenbar nicht nach Sachsen weiter.
Erst im April 2016 kam Bewegung in die Sache. Damals saß Timo S. schon vier Monate in Haft. Zehn Tage, nachdem der Generalbundesanwalt das Verfahren an sich gezogen hatte, schrieb das Bundeskriminalamt an das Bundesamt für Verfassungsschutz und bat um einen umfassenden Bericht zu Timo S.. Das Bundesamt reichte die Anfrage an das Landesamt weiter. Am 18. Mai kam schließlich die Antwort aus Hamburg.

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