Blick nach rechts (27.04.16)

Die um Seriosität bemühte Hamburger „Staats- und Wirtschaftspolitische Gesellschaft“ (SWG) hat erneut einen Rechtsextremisten zu einem Vortragsabend eingeladen.

Der Österreicher Richard Melisch soll am morgigen Donnerstag (28.04.16) in einer Gaststätte in Hamburg-Wandsbek einen Vortrag mit dem Titel „Quo vadis USA“ halten. In der Einladung wird Melisch, der ansonsten gerne bei der NPD und anderen rechtsextremen Organisationen auftritt, als „Klartext-Publizist zu brennenden Fragen der internationalen Politik“ bezeichnet. Bei Tagungen des völkisch-antisemitischen „Bundes für Gotterkenntnis (Ludendorff)“ ist der Rechtsextremist aus Wien gern gesehener Gast und Referent. Melischs neuestes Buch, „Das perfide Albion und seine amerikanischen Erben“, ist im rechtsextremen Verlag Hohe Warte (Pähl/Oberbayern) erschienen, der dem „Ludendorffer“-Bund nahesteht. Organisiert wird die Veranstaltung von der SWG-Regionalgruppe Hamburg unter dem Label „Hamburger Freiheitsgespräche“.

Das Hamburger Bündnis gegen Rechts schrieb am Wochenende den Gaststättenbetreiber an und wies ihn auf die Veranstaltung mit dem rechtsextremen Referenten hin. Der Betreiber will auf Nachfrage von einem solchen Brief nichts wissen, die Veranstaltung finde statt. Bereits zu einem Vortrag im Januar hatte die SWG in das Lokal eingeladen. Der damals angekündigte Redner, Klaus Olischläger, Forstdirektor im Ruhestand, sollte zu „Klimafragen – kalter Wind oder heiße Luft?“ sprechen. Für Juni ist das nächste SWG-Treffen in dem Wandsbeker Gasthaus geplant, dann soll der Geschichtsrevisionist Stefan Scheil, der bis Ende 2015 für die AfD im Kreistag des Rhein-Pfalz-Kreises saß, über den Zweiten Weltkrieg referieren.

Die 1962 von ehemaligen NS-Funktionären gegründete SWG wird zur Neuen Rechten gezählt, gilt als Scharnier zwischen Rechtskonservativismus und Rechtsextremismus. Die Gesellschaft verbittet es sich, als rechtsextrem eingestuft zu werden und leugnet, Rechtsextremisten zu ihren Vorträgen einzuladen – obwohl die von ihr veröffentlichte Rednerliste dies belegt. Bei SWG-Veranstaltungen liegt auch schon mal die revisionistische Zeitschrift „Deutsche Geschichte“ aus. Diese stammt aus dem Hause des rechtsextremen Verlegers Gert Sudholt, Ziehsohn des einstigen stellvertretenden Pressechefs der NS-Reichsregierung Helmut Sündermann. Der Hamburger Verfassungsschutz beobachtet die SWG offiziell nicht, behält jedoch Bezüge zur rechtsextremen Szene im Blick. Im vergangenen Jahr war AfD-Vize Alexander Gauland bei der SWG aufgetreten. Trotz der Verbindungen nach Rechtsaußen ist die SWG als gemeinnützig anerkannt.

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