von Felix Krebs

Norbert Weidners Karriere vom militanten Neonazi zum Burschenschafts-Funktionär

Beim letzten Burschentag im Mai 2008 in Eisenach wurde der ehemalige FAP-Funktionär Norbert Weidner aus Hamburg zum „Schriftleiter" der Burschenschaftlichen Blätter (BBl) gewählt. (In diesen Kreisen benutzt man nicht zufällig noch Termini, welche seit 1945 obsolet sind.) Als „Schriftleiter" also, sitzt der ehemalige NRW-Landesgeschäftsführer der 1995 verbotenen „Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei" (FAP) auf einem der wichtigsten Posten der völkischen „Deutschen Burschenschaft" (DB). Mal wieder konnte sich damit der extrem-rechte Flügel der DB, die sog. „Burschenschaftliche Gemeinschaft" (BG) durchsetzen. Auch Weidners Vorgänger, Herwig Nachtmann, rechtskräftig verurteilter Neofaschist, kam aus einer BG-Burschenschaft. Dessen österreichische „Brixia Innsbruck" war in den 60er Jahren in rechts-terroristische Anschläge verstrickt. Mit der Wahl Weidners zum Chefredakteur der wichtigsten Zeitschrift aus dem Spektrum der Studentenverbindungen  wird also Kontinuität gewahrt.
 

Aussteiger oder ...

Norbert Weidner hat eine lange Karriere durch verschiedene neonazistische Organisationen durchlaufen. Schon mit 15 kam er über die "Wiking-Jugend" (verboten) zur FAP, deren engstem Führungszirkel er bis 1994 angehörte. Im Sommer 1993 organisierte er noch den jährlichen Rudolf-Hess-Marsch. Außerdem war er im Vorstand der „Hilfsgemeinschaft für nationale politische Gefangene" und knüpfte die Auslandskontakte der FAP. Dann beendete Weidner plötzlich seine Karriere im militanten Nazispektrum. Gegenüber der taz erklärte er 1995: „Ich steige nicht aus, ich ziehe mich zurück... Ich will raus, ohne jemand zu verraten oder mich politisch zu prostituieren wie etwa Hasselbach oder jetzt Althans." (Zwei echte Aussteiger). Das Ende seiner Nazi-Karriere hatte im wesentlichen persönliche Gründe, er wollte seine Ausbildung beenden und das Leben genießen. Auf Gewalt, Aufmärsche und überzeugte Hitleristen verzichtete Weidner zukünftig - auf eine rechte Gesinnung nicht. „Ich würde mich eher in der Tradition der Neuen Rechten als Ethnopluralist bezeichnen. Ich bin für die freie Entfaltung der Kulturen" erklärte Weidner im gleichen Interview. Mit seinen, bei Alain de Benoist entlehnten, neorassistischen Einstellungen ist Weidner bei der Deutschen Burschenschaft seit Jahren richtig aufgehoben. Die pflegt schließlich seit der Gründung einen völkischen, „deutschtums-bezogenen Vaterlandsbegriff", nimmt nur „deutschstämmige" Mitglieder auf und erhebt revanchistische Gebietsforderungen gegenüber den europäischen Nachbarn. Auch der Verfassungsschutz attestierte Weidner 1995 zwar eine glaubhaft vollzogene Abkehr von der FAP, gerade noch rechtzeitig vor deren Verbot, „ohne dass er jedoch mit seinem Weltbild gebrochen hätte."

....nur Umsteiger?

Inzwischen ist Norbert Weidner Diplom-Wirtschaftsjurist, zog von Bonn nach Hamburg und machte burschenschaftliche Karriere. Schon lange ist er Alter Herr der Schülerverbindung „Hoffmann von Fallersleben" und der Studentenverbindung „Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks". Die Raczeks gehören der BG an und fielen in den letzten Jahren immer wieder durch ihre Nähe zum neofaschistischen Spektrum auf. Weidner selbst ist seit Jahren Pressesprecher der DB und vor allem damit beschäftigt, Kritikern von Korporationen entgegen zu treten. So setzte sich Weidner in den BBl 2/2008 für mehrere angeblich verfolgte Verbandsbrüder ein, wie  Prof. Michael Vogt, der wegen NPD-Nähe und neofaschistischer Tätigkeiten seine Honorar-Professur in Leipzig verlor. Der Hauptfeind steht für Weidner immer noch links, und das beginnt für ihn schon bei Mainstream-Medien wie dem „Spiegel". Entsprechend unterstützt er auch die neurechte „Zeitung" Junge Freiheit in ihrem Kampf gegen „political correctness". Weil Weidner eine zunehmende Abgrenzung des CDU-nahen „Ringes Christlich-Demokratischer Studenten" (RCDS) gegenüber den völkischen Burschenschaften zu beobachten meint, hält er die „Gründung einer neuen und bundesweiten hochschulpolitischen Vertretung wertkonservativer Positionen" für wünschenswert. Als Vorbild schlägt er in den BBl 2/2008 den österreichischen „Ring freiheitlicher Studenten" vor, der am äußersten rechten Rand der FPÖ agiert.

...und in Hamburg?

Seit Weidner 2007 nach Hamburg zog, pflegt er freundschaftliche Kontakte zur Burschenschaft Germania. Man kennt sich schließlich aus der BG, der auch die Verbindung aus der Sierichstr. angeschlossen ist. Die braunen Burschen aus Winterhude sorgten nun für einen Rechtsruck in der Hamburger Altherrenschaft:
Die Alten Herren vor Ort sind in der „Vereinigung Alter Burschenschafter Hamburg" (VAB Hamburg) vereinigt. Ein einflussreicher Kreis, wenn man bedenkt, wie viele Alte Herren Karrieren gemacht haben, die Burschenhäuser finanzieren und über Seilschaften für entsprechenden Nachwuchs sorgen. Die Germania ist die einzige Hamburger Burschenschaft aus dem Rechtskartell BG und in der Altherrenschaft der Hansestadt nicht unumstritten. Vorsitzender der VAB Hamburg war 28 Jahre lang ein eher gemäßigter Alter Herr. Ende 2007 wurde nun aus Kreisen der Germania ein neuer Alt-Herren-Stammtisch gegründet, „der sich auch der beruflichen Kontaktpflege jüngerer Mitglieder verpflichtet fühlt" und der scheinbar schnell an Einfluss gewonnen hat. Anfang Februar wurde jedenfalls der Vorstand der VAB Hamburg neu gewählt. Erster Vorsitzender ist jetzt der Germane Marko Werner, Schriftwart ein Ex-Strassenkämpfer und Anti-Antifa-Aktivist: Norbert Weidner.