Hamburger Abendblatt, Juliane Kmieciak
Nach der Umbenennung der Hindenburgstraße in Otto-Wels Straße gingen zahlreiche Hinweise auf weitere problematische Straßennamen ein. Die Grünen fordern jetzt ein hamburgweites Konzept zur Überprüfung.
Hamburg. Die Bezirksversammlung Nord fordert vom Hamburger Senat ein stadtweites Konzept für den Umgang mit Straßen, die nach mit dem Nationalsozialmus in Verbindung stehenden Personen benannt sind. Hintergrund ist eine Häufung entsprechender Fälle im Bezirk. Prominentestes Beispiel ist die Hindenburgstraße, die nach monatelangen Diskussionen im vergangenen Herbst in Otto-Wels-Straße umbenannt wurde. Mit der Umbenennung sollte der historisch umstrittenen Figur Hindenburgs mit Otto Wels ein demokratischer Kontrapunkt entgegengesetzt werden. Der Sozialdemokrat Wels hielt die letzte freie Reichstagsrede gegen das Ermächtigungsgesetz der Nazis.
Ausgehend von diesem Fall hat es im Bezirk Nord inzwischen zahlreiche Hinweise auf Straßennamen gegeben, die geprüft werden sollten. Konkret geht es derzeit um zwei Straßen in Langenhorn. Die Konjetznystraße und die Max-Nonne-Straße. Bei Georg Ernst Konjetzny handelt sich um einen Chirurg, der ab 1939 am Krankenhaus Eppendorf (heute UKE) tätig war und der unter anderem Mitglied im NS Ärztebund und förderndes Mitglied der SS gewesen sein soll.
Die knapp zwei Kilometer entfernt liegende Max-Nonne-Straße ist benannt nach dem Neurologen Max Nonne, der unter anderem ein maßgebliches Gutachten zum ersten Kindereuthanasieprozess in Hamburg erstellt hat, in dem er ausführte, dass die Tötung "geistig völlig Toter" kein Verbrechen und keine unmoralische Handlung sei.
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