junge welt, Interview Markus Bernhardt
Linke-Abgeordnete sieht neofaschistische Partei in virulenter Krise. Dies ist aber kein Grund zur Entwarnung. Ein Gespräch mit Kerstin Köditz
Kerstin Köditz ist Sprecherin für ­antifaschistische Politik der Linksfraktion im sächsischen Landtag Holger Apfel, bisher NPD-Bundesvorsitzender und Fraktionschef der neofaschistischen Partei im sächsischen Parlament, hat vor wenigen Tagen alle Ämter niedergelegt und ist am 24. Dezember auch aus der Partei ausgetreten. Hatten Sie im Vorfeld Hinweise auf Flügelkämpfe bei der sächsischen NPD bzw. in deren Landtagsfraktion?

Schon etliche Tage vorher hatten die Spatzen von den Dächern gesungen, daß Apfels Sturz unmittelbar bevorstehe. Als er dann während einerlaufenden Plenarsitzung den Landtag verließ, war klar, daß der Zeitpunkt gekommen war. Seit Monaten hatte es immer wieder Gerüchte, offenbar aus »Kameradenkreisen« gestreut, über eine angebliche Homosexualität Apfels gegeben. Hinter seinem Sturz stehen natürlich handfeste Auseinandersetzungen um
den Kurs der NPD, Machtinteressen einzelner Funktionäre und der Kampf um Posten und Listenplätze. Für alle, die sich dafür in Stellung bringen wollten, war jetzt die letzte Gelegenheit, um eine aussichtsreiche Position für die Landtagwahl am 31. August 2014 zu erringen.
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