Hamburger Abendblatt, Andreas Schmidt (02.08.12)

Historiker haben ein eindrucksvolles Buch über die Stolpersteine in Harburg und Wilhelmsburg geschrieben. Sie zeigen Schicksale hinter Namen.
"Hier wohnte Ursula Bohmann, geb. 1935, Heilanstalt Eichberg, ermordet 1943". Diese Inschrift auf einem Harburger Stolperstein wirft mehr Fragen auf, als sie Antworten gibt. Wer war Ursula Bohmann? Warum wurde sie nur acht Jahre alt? Wie starb sie? Wer tötete das Mädchen? Warum? Was verbirgt sich hinter der Bezeichnung "Heilanstalt"? Welche Rolle spielten ihre Eltern? Wie reagierten Freunde und Nachbarn? 178 Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig liegen im Bezirk Harburg sowie auf den Elbinseln Wilhelmsburg und Veddel. Sie zeigen: Hier lebte in der Zeit des Nationalsozialismus ein Mensch, der von Nazi-Schergen ermordet wurde. Hier wurde ein Leben ausgelöscht.
In Harburg und seinen Ortsteilen liegen insgesamt 150 Stolpersteine. Im Raum Süderelbe acht, in Wilhelmsburg 17 und auf der Veddel drei Gedenksteine. Sie erinnern an Menschen, die von Nazis aus der "Volksgemeinschaft" ausgeschlossen wurden. 97 waren Juden, 42 politische Gegner des Regimes, 21 lebten mit einer geistigen oder psychischen Behinderung, acht waren homosexuell veranlagt, vier galten als "artfremd", gemeinschaftsfremd", einige waren Roma und Sinti.
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