Wolf Schmidt und Andreas Speit, taz

NAZI-TERROR: Die nun aufgedeckte Verbindung des Nationalsozialistischen Untergrunds zum streng observierten Netzwerk Blood & Honour bringt die Behörden in Bedrängnis
Gleich zwei Untersuchungsausschüsse zu den Morden der Neonazizelle NSU sind am Donnerstag eingerichtet worden. Sowohl der Bundestag als auch der Thüringer Landtag wollen Versäumnisse der Sicherheitsbehörden aufklären – und die werden von Woche zu Woche offenkundiger.
Neue Brisanz ergibt sich aus der Razzia in Sachsen, Thüringen und Baden-Württemberg vom Mittwoch bei weiteren mutmaßlichen Helfern der rechtsextremen Terrorgruppe. Nach taz-Informationen wurden mehrere Wohnungen ehemaliger Mitglieder von Blood & Honour (B&H) durchsucht – ein militantes, internationales Neonazi-Netzwerk, dessen deutscher Ableger im Jahr 2000 verboten wurde.
Sollte das Neonazitrio Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe tatsächlich von ehemaligen Kadern dieses Netzwerks unterstützt worden sein, würde das die Erklärungsnöte von Polizei und Verfassungsschutz weiter vergrößern – wurde die Szene um die Jahrtausendwende doch massiv observiert.
Gegründet wurde B&H 1987 vom Sänger der britischen Skinband Skrewdriver. Schnell konnten die militanten Neonazis in Europa ein klandestines Netz aufbauen, 1994 wurde eine Deutschland-Division gegründet. Dabei ging es den Neonazis um weit mehr als Konzerte. 1998 beschlossen B&H bei einem Deutschlandtreff, die „Patrioten“ einen zu wollen, „nicht nur in der Musik, sondern im Kampf“.
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