Christian Unger, Hamburger Abendblatt

Ricarda Riefling sagt, dass sie Ulrike Meinhof bewundere. Sie lächelt kurz, lässt die Worte einen Moment lang wirken. Sie weiß, dass diese Aussage irritiert, und schiebt schnell ein paar Sätze nach. Nicht die RAF-Terroristin Meinhof finde sie bewundernswert, sondern die Aktivistin Meinhof mit ihren "Überzeugungen", weil sie "Dinge angeprangert" und "öffentlich" gemacht habe. Riefling hat sich ein Zitat von Meinhof eingeprägt: "Wirft man einen Stein, so ist das eine strafbare Handlung. Werden tausend Steine geworfen, ist das eine politische Aktion." Sie lehne Gewalt ab, sagt Riefling. Aber diese Gewalt der Worte fasziniert sie.

Ricarda Riefling ist eine der mächtigsten Frauen in der rechtsextremen NPD, sie sitzt seit diesem Herbst im Bundesvorstand der Partei, sie ist ihre familienpolitische Sprecherin. Und Riefling sagt Sätze wie diesen: "Deutschland braucht deutsche Kinder." Deshalb habe sie noch ein Problem mit Ulrike Meinhof: "Sie hat ihre Kinder fallen gelassen, damit stimme ich überhaupt nicht überein."

Ihre Worte passen wieder zu ihrer Rolle: Riefling warnt vor Überfremdung, sie sieht in Ausländern vor allem eine Bedrohung für das "deutsche Volk". Ihre Partei sieht in der Integration einen "Völkermord". Riefling ist noch keine 30, verheiratet mit einem vorbestraften Neonazi. Sie hat vier Kinder. Und eine extreme Gesinnung. Sie selbst nennt es Weltanschauung, das klinge nicht so starr.

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