Mopo, von Christoph Heinemann

Hamburgs Verfassungsschützer Heino Vahldieck (CDU) soll Senator werden. Doch es gibt Ärger um seinen Besuch bei einer dubiosen Verbindung.

Heino Vahldieck (CDU) könnte sich entspannt zurücklehnen. Wenn Christoph Ahlhaus zum Bürgermeister gewählt wird, ist für den Hamburger Verfassungsschutz-Chef der Weg zum Traumjob frei – nach MOPO-Informationen soll er der nächste Innensenator werden. Doch jetzt gerät Vahldieck ins Zwielicht. Die Vorwürfe: Vetternwirtschaft, außerdem habe er einer dubiosen Verbindung Gefälligkeiten erwiesen.
Die Parkallee in Harvestehude, Oktober 2003. In einer schneeweißen Stadtvilla ist hier das „Corps Irminsul“ eingezogen, eine schlagende Verbindung. Die Mitglieder fechten für „das Beste im Mann“ und singen Nationallieder. Andere Mieter aus den oberen Etagen ziehen wenig später aus – sie fühlen sich von den Mitgliedern bedroht, berichten von rechtsradikalen Tendenzen und gezieltem Psycho-Terror in der Nacht.

Das hält Heino Vahldieck allerdings nicht davon ab, dem Corps einen Besuch im gemütlichen Rahmen abzustatten. Wie „Keine Stimme den Nazis“ heraus bekam, hielt der damals frisch gebackene Verfassungsschutz-Chef eine Rede vor den Mitgliedern des „Corps“. Ob er damals gewusst hat, dass sonst auch Persönlichkeiten wie der NPD-Funktionär Reinhold Oberlercher bei solchen Gesprächsabenden ihre Propaganda verbreiten? Vahldieck kann sich heute nicht mehr erinnern.

Der Verfassungsschützer sei nur zur „Aufklärung“ in dem Verbindungshaus gewesen, betonte die aufgeschreckte Innenbehörde gestern auf MOPO-Anfrage. Einladungen von rechtsradikalen Vereinen würde Vahldieck selbstverständlich ablehnen – „gerade in den Randbereichen des demokratischen Spektrums“ seien aber solche Auftritte „wichtig, um ein Abgleiten in den Extremismus zu verhindern.“

Schon im Juni 2005 kreuzen sich die Wege von Vahldieck und den Irminsulern aber erneut. Im Führungszirkel der Verbindung sitzt laut der Organisation „Keine Stimme den Nazis“ zu dieser Zeit auch Vahldiecks Parteifreund Roger Zörb, Vize der CDU-Mittelstandsvereinigung – er will das 125-jährige Bestehen seiner Verbindung mit einem großen Fest im Rathauskeller feiern.

Auch einen Festredner haben sich die Irminsuler schon ausgeguckt: Ausgerechnet der als Antisemit verschriene Politologe Konrad Löw sollte den feierlichen Abend eröffnen.

SPD und GAL versuchen damals hektisch, den Auftritt zu verhindern. Die Würde des Rathauses müsse gewahrt bleiben, extremistische Töne seien „selbst im Keller nicht akzeptabel“. Doch Löw kann seine Rede ungestört halten – weil Vahldieck als Verfassungsschutz-Chef alle Bedenken abschlägt. Dabei trägt die Rede sogar den selben Titel wie eine umstrittene Broschüre, die Löw ein Jahr vorher geschrieben hatte: „Über die Geschichte und Identität der Deutschen“. Er habe seinem Parteifreund Zörb damals „die Jubiläumsfeier gerettet“, sagt „Keine Stimme den Nazis“ nun.

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