Antifa-Info-Pool, 25.08.2009
Die Hamburger NPD bemüht sich im Bundestagswahlkampf um ein bürgernahes Image – und scheitert an der unkontrollierbaren Gewalttätigkeit ihrer Mitglieder
Für Beobachter der Hamburger Neonaziszene kommt es nicht überraschend, dass die Gewalt seitens der NPD im sich zuspitzenden Wahlkampf zur Bundestagswahl im September immer weiter eskaliert.
 
Dass die Partei unter ihrem Dach Neonazis beherbergt, denen nach wie vor bis zum Mord jedes Mittel recht ist um an die Macht zu gelangen, zeigt sich schon beim ersten Blick auf die Mitgliederliste des Hamburger Landesverbandes: Neben diversen ehemaligen Kadern der verbotenen Kameradschaft „Hamburger Sturm“ und des ebenfalls verbotenen Neonazi-Musiknetzwerkes „Blood&Honour“ finden sich nicht eben wenige Kameraden auf der Liste wieder, die wegen – teils schwerer – Gewaltverbrechen verurteilt wurden. Besonders hervorzuheben sind hier Willi Wegner und Detlev Brüel: Wegner, seit den frühen 70ern in militanten Neonazigruppen aktiv, darunter unter anderem die „Wehrsportgruppe Neumann“ und die FAP, wurde 1976 zu einer mehrjährigen Haftstrafe wegen Anschlägen, Grabschändungen und Raub von Maschinenpsitolen verurteilt, 1981 folgte eine erneute Haftstrafe wegen Behilfe zum Mord (an dem homsexuellen FAP-Mitglied Johannes Bügner). Brüel trainierte ebenfalls in einer „Wehrsportgruppe Dems“ für den gewaltsamen Umsturz, war Aktivist der „Wiking-Jugend“, Schatzmeister der FAP und wurde unter anderem 1993 vom Landgericht Hamburg zu fünf Jahren Haft wegen versuchten Mordes verurteilt. Bei zahlreichen Verfahren wegen politischer Gewaltdelikte wurde Brüel vom Hamburger Landesvorsitzenden und stellvertetenden Bundesvorsitzenden der NPD, Rechtsanwalt Jürgen Rieger, vertreten.

Offensichtlich chancenlos für den Einzug in den Bundestag, versucht die Nazipartei in Hamburg trotzig durch eine Vielzahl an Infoständen und das Verteilen von Flugblättern etwas Aufmerksamkeit zu erhaschen. Fast immer mit dabei: die NPD-Mitglieder Willi Wegner und Detlev Brüel. Häufig ist es Wegner, der mit seinem Wagen das Material der Infotische anliefert. Brüel hingegen fiel im Wahlkampf bisher eher durch einen Klassiker in seiner Biografie auf: Gewalt gegen Antifaschisten. So wurde er am 15. August bei einem NPD-Stand in Barmbek festgenommen, weil er beschuldigt wurde eine Gegendemonstrantin geschlagen zu haben.

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