Nachdem die Jungendorganisation der NPD, die Jungen Nationaldemokraten (JN), in Hamburg seit 11 Jahren nicht mehr vertreten waren, wurde mit Beginn des neuen Jahres ein sog. Stützpunkt in Hamburg gegründet. Die JN sind die einzig relevante Jugendorganisation einer neofaschistischen Partei in Deutschland, haben bundesweit 350 Mitglieder (Stand 2006) und sind bisher nicht in allen Bundesländern vertreten. Der Verband gliedert sich in Landesverbände und sog. Stützpunkte als kleinste Einheit.

Der Hamburger Landesverband der JN, unter Führung eines inzwischen aus der Szene ausgestiegenen, ehemaligen Gymnasiasten, hatte sich Anfang 1997 aufgelöst. Zur Bürgerschaftswahl des gleichen Jahres wurde noch mit Achim Ezer, dem damaligen stellvertretenden JN-Bundesvorsitzendem, ein junger Kader extra für den Wahlkampf nach Hamburg geholt. Wiederbelebungsversuche der JN in den folgenden Jahren blieben jedoch erfolglos.

Erst im Februar 2006 lud die inzwischen erstarkte und verjüngte Hamburger NPD zu einer Interessentenversammlung der JN. Der damalige Bundesvorsitzende der JN erläuterte den 70 (laut NPD) anwesenden Kameradinnen und Kameraden was es heißt bei den JN aktiv zu werden: „Selbstdarsteller, Heuchler und Menschen, die nicht bereit sind sich für die Sache einzusetzen, haben in der JN nichts verloren. Jeder Einzelne sollte sich bei seiner Arbeit in der JN am Leitbild des politischen Soldaten orientieren."  Dem elitären Ansatz entsprechend schätzte die NPD ein, dass von 70 Interessierten nur 20 übrig bleiben würden „die dann aber jenes Potential haben, welches man von den Aktivisten einer jungen revolutionären Organisation erwartet." Der Gründungsversuch vor 2 Jahren fand unter der ehemaligen  Landesvorsitzenden Anja Zysk statt. Da es schon damals Streitigkeiten zwischen Zysk und Anhängern der „Freien Kameradschaften" (FK) gab, torpedierten letztere den Aufbauversuch, indem sie via Internet eine Neuauflage der Kampagne "Jugend zu uns" starteten. Seit fast einem Jahr ist nun der kameradschaftsnahe Nazi-Anwalt Jürgen Rieger Vorsitzender der Hamburger NPD. Nach einer Konsolidierung des Landesverbandes, sah er nun wohl die Zeit gekommen auch einen Stützpunkt der Jugendorganisation zu gründen. 

Die o.g. Zahlen mögen übertrieben sein, trotzdem sollte der Versuch einer eigenständigen Jugendarbeit der NPD in Hamburg nicht unterschätzt werden. Der Landesverband hat sich in den letzten Jahren stark verjüngt, der Anteil von Jugendlichen und jungen Erwachsenen an Naziaufmärschen in Hamburg ist hoch. Im Herbst 2007 wurden 2 junge NPD-Mitglieder erwischt, als sie Fensterscheiben ausländischer Restaurants zerstörten. Vereinzelt wurden auch NPD-Flugblätter vor Schulen verteilt. Vor diesem Hintergrund kann man auf der NPD-Homepage lesen: „Die Notwendigkeit eines JN-Stützpunktes wurde mit zunehmendem Interesse aktivistischer, revolutionär ausgerichteter Jugendlicher in Hamburg immer deutlicher."

Die ständige Rede von Revolution ist keineswegs im Sinne einer sozialen Revolution gemeint, welche das Ende der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen zum Ziel hat, sondern im Sinne einer völkischen Revolte an deren Ende die Volksgemeinschaft steht, in der es per definitionem dann keine Klassenunterschiede mehr gäbe. Im Manifest „Die 25 Punkte zum Nationalismus" der JN heißt es, der Nationalismus „bekämpft den Klassenkampf von ‚oben' und von ‚unten'". TrägerInnen einer Revolte sollen auch nicht bestimmte Schichten oder eine Klasse sein, sondern das biologistisch abgeleitete „deutsche Volk". In Baden-Württemberg erklärte ein Funktionär auf dem JN-Landeskongress im November 2006 „Nationalismus heißt Revolution". Und auch die Gründungserklärung der Hamburger JN endet keineswegs mit einer Kampfansage gegen soziale Ungerechtigkeit, sonder mit den Worten man hätte „den Kampf um unsere Heimatstadt und das geliebte Vaterland aufgenommen."

Die JN haben einen elitären Anspruch, auch in Hamburg setzt man „auf Qualität und nicht auf Quantität." Auf ideologische Schulungsarbeit im Rahmen von Veranstaltungen und Vorträgen wird wert gelegt. Dazu dienen auch die Zeitschriften „Hier & Jetzt" der sächsischen JN, sowie „Der Aktivist" des Bundesvorstandes. Die Funktionäre der JN sind oftmals Studenten und Gymnasiasten, einige kommen aus völkischen Studentenverbindungen. Nicht wenige ehemalige JN-Aktivisten sind inzwischen Funktionäre der NPD geworden.

Die Verflechtung der hiesigen NPD mit den Hamburger „Freien Kameradschaften" dürfte sich durch die Gründung eines Stützpunktes der JN verfestigen. Die JN waren die treibende Kraft bei der Öffnung der NPD für militante Neonazis seit Mitte der 90er Jahre. In der „Vier-Säulen-Strategie" der hessischen NPD (analog zum Vier-Säulen-Konzept der NPD) heißt es z.B. man führe, neben dem „Kampf um die Schulen" und dem „Kampf um die Intellektualisierung der Jugend", einen „Kampf um die Kameradschaften".

Es ist zu befürchten, dass es der Hamburger NPD mit einer speziellen Ansprache durch die JN, ohne den Stallgeruch einer Erwachsenen-Partei und mit der Bereitstellung einer rechten Jugendkultur und Erlebniswelt, gelingen könnte, gezielt Jugendliche für neofaschistische Politik zu gewinnen. - erk