Von [´solid]-wandsbek

Nazis bekämpfen: Überall!
Demo gegen Rechts am 20. April in Bramfeld/Steilshoop

Hintergrund

In dem eher unbekannten Stadtteil im Nord-Osten Hamburgs leben und wirken schon seit Jahren so einige braune Kameraden. Unter ihnen auch bekannte Namen wie Christian Worch und diverse weitere Nazi-Kader. Auch der „Bramfelder Sturm“, ein inzwischen verbotenes doch bis dato weit verbreitetes Hamburger Hetzblatt, mag einigen noch ein Begriff sein.

Wer in der Gegend wohnt, kennt vielleicht das Gefühl der Angst vorm Nazimob am U-Bahnhof Berne, die unheimlichen HSV-Fankneipen und ist auch bestimmt schon häufiger auf vielsagende Aufkleber an Straßenlaternen gestoßen. Selbst die Polizei fuhr im letzten Jahr bei einem Antifaschistischen Konzert, das von [´solid] organisiert worden war, vorsichtshalber mal eine Hundertschaft auf.

Aus diesen akuten Gründen entschlossen wir uns als [´solid]-Bezirksgruppe Wandsbek, das bürgerliche Bündnis mit Jusos, Julis und Grüner Jugend * einzugehen und uns an der Demo unter dem wenig kreativen und aussagelosen Motto „Hamburg gegen Rechts“ am 20. April zu beteiligen, auch wenn wir dieses Datum („Führergeburtstag“) eigentlich nicht für geeignet halten.


Dennoch sahen wir die Möglichkeit, den Tag zu nutzen um der zu erwartenden „Böse Buben“-Rhetorik eine tiefgreifendere Rassismus-Kritik entgegenzustellen, die den Blick wendet auf die bestehenden rassistischen Strukturen europäischer Flüchtlingspolitik, der Frage nach den Ursachen des Bedürfnisses einer steigenden Zahl Jugendlicher nach nationaler Identifikation sowie die Erfolge rechtsextremer Parteien in deutschen Parlamenten. 

Gerade diese letzte Frage ist in unseren Augen auch die entscheidende Verbindung mit dem Datum der Demo, dem 20. April. Passender wäre sicherlich noch der (…), kennzeichnend für den Aufstieg Hitlers, gewesen. Auch damals befand Deutschland sich in einer schweren Wirtschaftskrise, dessen gesellschaftliche Folgen eine entscheidende Bedingung der breiten Unterstützung des Nationalismus in der Bevölkerung darstellten.

Diese Geschichte darf sich nicht wiederholen! Als Linke müssen wir es schaffen, den Menschen die Augen zu öffnen und echte soziale Alternativen aufzeigen. Und deswegen dürfen wir die Argumentation gegen Rechtsextremismus nicht den bürgerlichen Kräften überlassen.

Mischen wir uns ein!

Demonstration
Dank der breiten Mobilisierung, einem eigenen Flyer, der kreativer gestaltet war und auch inhaltliche Auseinandersetzung bot, einem eigenen Redebeitrag sowie einer Abendveranstaltung zum Thema „Autonome Nationalisten“ wurde die Demo erstens größer als im letzten Jahr und wir konnten uns als [´solid] deutlich abgrenzen. Abends fanden noch ca 40 vor allem junge Antifas den Weg ins Brakula. Bis auf einen rumbrüllenden, wild um sich schlagenden und allseits bekannten Stadtteilnazi, der am Abend für Unruhe sorgte, konnten wir den Tag erfolgreich und heil hinter uns bringen.

Unsere Kritik gilt insbesondere einigen Jugendorganisationen, für die diese Demo eher Wahlkampf als ernst zu nehmender Kampf gegen Faschismus war. Außerdem sind wir stolz, dass es bei uns eine Selbstverständlichkeit ist, dass auch „ganz normale“ Mitglieder des Jugendverbandes und nicht nur SprecherInnen bzw. Vorstände ihre Meinung zu politischen Themen öffentlich zum Ausdruck bringen können.  


*(die Junge Union wollte sich aufgrund des erwarteten „Links-Blockes“ nicht beteiligen, ebenso hielten sich offenbar einige Vertreter der Jusos aufgrund der Teilnahme [´solid]s von der Demo fern)