Süddeutsche Zeitung, dasInterview führte Matthias Kolb

Rechtsextremismus und Gewalt: Experte Andreas Speit über radikale Ansichten im Mittelstand, die Vorteile eines NPD-Verbots und Antisemitismus in der Finanzkrise.

Andreas Speit ist Sozialökonom und arbeitet als Journalist zum Thema Rechtsextremismus. Gemeinsam mit Andrea Röpke hat er 2008 das Buch "Neonazis in Nadelstreifen" (Christoph Links Verlag) herausgegeben

sueddeutsche.de: Herr Speit, laut Bundesinnenministerium hat es 2008 in Deutschland fast 14.000 rechtsextreme Straftaten gegeben. 773 Menschen wurden verletzt. Überrascht Sie dieser traurige Rekord?

Andreas Speit: Die neuen Zahlen sind leider keine Überraschung. Die rechtsextreme Szene ist in den letzten Jahren selbstbewusster und militanter geworden. Gerade ein Teil der freien Kameradschaften diskutiert, ob man anstatt zu "bitten und betteln" nicht eher die politische Auseinandersetzung auf die Straße tragen solle. Das sehen Teile der NPD mit einer gewissen Sorge - man fürchtet, dass diese radikaleren Gruppen wie die "Autonomen Nationalisten" ihnen das Image kaputt machen können. Bei den Kameradschaften gibt es keine offiziellen Vorsitzenden und keine Statute. Vor allem sind sie dynamischer und ziehen so Jugendliche stärker an.

Weiter lesen