Offener Brief des Hamburger Bündnisses gegen Rechts an das Logenhaus in der Moorweidenstraße

betreffend den Hamburger Verbändekommers am 21. November 2008


Sehr geehrte Damen und Herren,

am Freitag dem 21. November 2008 soll in Ihrem Hause der Verbändekommers der „Vereinigung Hamburger Akademikerverbände“(VHA) stattfinden.
Nach unseren Informationen laden zu dem Kommers nicht alle Hamburger Studentenverbindungen ein, sondern vor allem die schlagenden Korporationen aus dem „Hamburger Waffenring“ (HWR). 

Die dort versammelten Korporationen zeichnen sich alle durch einen Exklusivitätsanspruch aus, welcher einem undemokratischen Elitedünkel nicht fern ist. Grundprinzip dieser Korporationen ist die Bildung von Seilschaften, um akademischen Nachwuchs, am allgemeinen Wettbewerb vorbei und unabhängig von tatsächlicher Qualifikation, in Führungspositionen zu lancieren („Können ist gut, Kennen ist besser“ ist ein Motto jener Korporationen). Von diesen Karrierechancen ist mindestens die Hälfte aller Studierenden ausgeschlossen, denn Frauen dürfen in den Verbindungen des HWR nicht Mitglied werden.  Einige weit rechts stehende Korporationen ermöglichen darüber hinaus auch nur „Deutschstämmigen“ die Aufnahme.

Besonders bedenklich stimmt uns, dass die extrem rechte Burschenschaft Germania ebenfalls zu dem Kommers aufruft. Die Rechtslastigkeit dieser Verbindung ist seit Jahren in der Öffentlichkeit bekannt. Die Hamburger Handwerkskammer machte es 2006 der VHA zur Auflage, „dass die Hamburger Burschenschaft ‚Germania’ weder mit Aktiven noch mit so genannten ‚Alten Herren’ an dem Kommers teilnehme und dass keine Verbindungen (namentlich Burschenschaften) und keine Einzelpersonen mit radikalem bzw. undemokratischem (extremistischem) Gedankengut zu dem Kommers zugelassen oder an ihm teilnehmen werden“, damit der Verbändekommers dort stattfinden konnte.An der politischen Richtung der Burschenschaft Germania wie auch einiger anderer Burschenschaften hat sich bis heute nichts geändert: In den Vorstand der „Vereinigung Alter Burschenschafter“ wurde mit Norbert Weidner in Hamburg dieses Jahr ein ehemaliger Funktionär der verbotenen, militanten FAP gewählt. Die Burschenschaft Germania macht(e) sowohl dieses, wie auch letztes und kommendes Jahr Veranstaltungen in ihrem Haus mit Referenten, welche für die NPD publizistisch und/oder als Redner tätig sind. Auch dem Verfassungsschutz  ist laut NDR-Info bekannt „dass es Kontakte von eindeutig erkannten Rechtsextremisten zur Germania gibt.“ 

Elitedünkel und Vetternwirtschaft, Diskriminierung von Frauen und Nichtdeutschen, das Pflegen von ritualisierten Alkoholexzessen und Körperverletzungen, sowie eine offene Flanke zu neofaschistischen Kreisen sind mit einer modernen, demokratischen Universität, welche allen Studierenden, unabhängig von Herkunft und Geschlecht offen steht, unvereinbar. Wir fordern Sie deshalb hiermit höflich auf, den Veranstaltern des Verbändekommerses keine Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Sollte eine kurzfristige Kündigung nicht möglich sein, dann bitten wir Sie, entsprechend ähnlich gelagerten Fällen in anderen Städten, die eingenommene Miete ehemaligen Verfolgten des Naziregimes, z.B. der Jüdischen Gemeinde oder der Rom und Cinti Union, zur Verfügung zu stellen. 

Wir hoffen auf eine baldige Antwort
und verbleiben mit freundlichen Grüßen,

Hamburger Bündnis gegen Rechts