Am frühen Dienstagmorgen hat es zeitgleich Hausdurchsuchungen bei vier Männern in Niedersachsen, Bremen und Schleswig-Holstein gegeben. Sie stehen im Verdacht, eine rechtsterroristische Vereinigung gegründet zu haben. Unter dem Namen "Nordadler" sollen sie versucht haben, "dem Nationalsozialismus in Deutschland zum Wiedererstarken zu helfen", teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit.

Beschuldigter nennt Vorwurf "lächerlich"

Panorama 3 hat Wladislav S. ein Interview gegeben. Der Vorwurf der Bildung einer terroristischen Vereinigung sei "lächerlich", sagt er. Aus der ideologischen Ausrichtung seiner Gruppe macht er jedoch keinen Hehl. S. bezeichnet sich selbst als Nationalsozialist. "Wir wollen für unser Volk das Beste, das heißt aber nicht, dass wir andere Völker diskriminieren."

Doch so offen wie S. über die Gruppe im Interview spricht und sie sich im Netz präsentiert, agierte "Nordadler" nicht immer. Wie aus Akten zu dem Fall vorgeht, die Panorama 3 vorliegen, sollen sich die Mitglieder auch über Waffen und mögliche Anschlagsziele ausgetauscht haben. Unter Decknamen sollen die "Nordadler"-Mitglieder beim Messenger-Dienst "Telegram" kommuniziert haben.

Listen mit potenziellen Opfern

Neben der Wohnung von S. schlugen die Ermittler gestern bei drei weiteren Verdächtigen zu: Bei Patrick Sch. im schleswig-holsteinischen Appen, Marco A. aus dem emsländischen Dörpen und Brian W. aus Bremen-Blumenthal. Die vier Männer sollen zur Führung der Organisation gehören, weitere Rechtsextremisten gehören der Vereinigung offenbar ebenfalls an. Über mögliche Anschlagsziele sollen sich die drei Terrorverdächtigen S., Sch. und W. bereits ausgetauscht haben. Angebliche "Staatsfeinde", Juden und Angehörige der Antifa-Szene, standen nach Erkenntnissen des Landeskriminalamtes Niedersachsen im Visier der Neonazis. Auf Nachfrage von Panorama 3 räumt S. ein, Listen mit Namen und persönlichen Daten von Antifaschisten aus Northeim und Göttingen angelegt zu haben.

weiter

 

Besorgte Bürger haben frei
An diesem Montag fällt die von rechtsextremem Personal getragene Anti-Merkel-Demo in Hamburg aus. Für das Bündnis gegen rechts ist das aber nur ein Teilerfolg.

Können ihre Flaggen an diesem Montag mal schön Zuhause lassen: Teilnehmer einer der Merkel-muss-weg-Kundgebungen Foto: dpa
Hamburg taz | An diesem Montag haben besorgte Bürger und Gegendemonstranten in Hamburg demofrei: Unter dem Jubel der rund 1.200 Gegendemonstranten erklärten die Veranstalter der bis dahin wöchentlich stattfindenden Merkel-muss-weg-Kundgebungen am vergangenen Montag, nur noch alle zwei Wochen zum Protest gegen die Flüchtlings- und Einwanderungspolitik der Bundeskanzlerin aufrufen zu wollen. Das freut das Hamburger Bündnis gegen rechts, das die Gegenkundgebungen organisiert. „Das ist auch unser gemeinsamer Erfolg“, sagt ein Sprecher des Bündnisses.
Weiterlesen

 
Zu der aktuellen Nachricht, dass ein ehemaliges Mitglied von Lampedusa in Hamburg die Mutter seines Kindes und das Kind getötet hat, erklären wir, Lampedusa in Hamburg: Wir verurteilen diesen brutalen Akt auf das schärfste.
 Es bricht uns das Herz, auch nur über diese inakzeptable Tat zu sprechen. Niemand hat das Recht, einem anderen Menschen das Leben zu nehmen, egal unter welchen Bedingungen. Wir benutzen dieses Medium, um jede Art von Gewalt gegen Frauen und Kinder überall auf der Welt zu verurteilen und abzulehnen.
 Wir senden unser aufrichtiges Beileid an die Hinterbliebenen und die direkt oder indirekt Betroffenen.
 Der Täter war tatsächlich Mitglied der Gruppe bis 2014, bevor er einen Asylantrag stellte. Seitdem wurde er weniger aktiv und verließ schließlich die Gruppe, so dass wir bis zu diesem schrecklichen Vorfall nichts mehr von ihm gehört haben.
 Als eine politische Bewegung, die gegen alle Formen von Rassismus kämpft, stellen wir, Lampedusa in Hamburg, uns mit aller Kraft gegen diejenigen, die diesen unglücklichen und bedauerlichen Vorfall nutzen wollen, um die Gruppe zu verteufeln oder zu diskreditieren. Wir stehen für Gerechtigkeit und Achtung der Menschenrechte.
 
Lampedusa in Hamburg

Mourtala M. ersticht seine Ex-Freundin und seine einjährige Tochter am S-Bahnsteig. Kiez-Pastor erinnert sich an ihn.

Hamburg.  Um kurz vor 11 Uhr ist es noch ein ganz normaler Vormittag in der Innenstadt. Die Passanten genießen die Sonne, an den Alsterarkaden sitzen die Gäste in den Cafés. Gruppen von Polizeischülern ziehen lächelnd zur Vereidigung im Rathaus. Plötzlich ertönen Sirenen, erst eine, dann die nächste. Polizeiautos und Feuerwehrautos. Ein Rettungshubschrauber landet. Es sind die ersten hörbaren Folgen einer entsetzlichen Tat, die binnen Stunden die gesamte Stadt erschüttert.

Unten auf dem Bahnsteig der Linie S 3 in Richtung Neugraben hat der 33 Jahre alte Mourtala M. seine ehemalige Lebensgefährtin und ihre gemeinsame Tochter mit einem Messer angegriffen und tödlich verletzt. Drei Polizisten, die zuerst am Tatort eintreffen, versuchen das Mädchen wiederzubeleben. Vergebens. Auch für die 34-Jährige wird jede Hilfe zu spät kommen. Sie hat vier weitere Kinder, die die Stadt jetzt in Obhut nimmt. Am Eingang des U- und S-Bahnhofs stehen Passanten zwischen den Rettungswagen. Weinend lassen sich viele Zeugen von Notfallseelsorgern betreuen. Auch die Polizisten, die das Mädchen wiederbeleben wollten, brauchen psychologische Soforthilfe.

Weiterlesen

Nach einer kurzen Oster-Pause fand am Montagabend die „Merkel muss weg“-Demo zum neunten Mal in Hamburg statt. Erneut protestierten die „besorgten Bürger“ am Dammtorbahnhof, erneut gab es eine riesige Gegen-Demo und massiven Polizeieinsatz.

Bei der letzten Demo am 26. März zählten Polizisten 300 Teilnehmer der „Merkel muss weg“-Demo“, während sich 1.500 Menschen an der Gegendemonstration beteiligten.

250 Merkel-Gegner standen sich 1200 Gegendemonstranten gegenüber

Diesmal waren es rund 1200 Menschen, die sich den „besorgten Bürgern“ gegenüberstellten. Beim Gegenprotest herrschte eine gute und friedliche Stimmung. Mit Chören wie „Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda“ versammelten sich Gegendemonstranten aus allen Altersgruppen auf dem Dammtordamm – eine Gruppe hielt beispielsweise Schilder mit der Aufschrift „Omas gegen Rechts“ in die Höhe.

weiterlesen