Bundestag Nazifrei - Keine AfD in den Bundestag!
Demo am 16.09. Barmbek sagt nein: kein Naziladen in der Fuhle
16.09., 10.00 Uhr / Bert-Käempfert-Platz / Kommt zu den Mahnwachen, jeden Di.+Do. 17-19 Uhr, Sa. 11-13 Uhr, Fuhlsbüttler Str. 257
Aufruf +++ Zeit zu handeln: Keinen Raum der AfD +++ jetzt unterschreiben

Das Hamburger Bündnis gegen Rechts beteiligt sich an der

2. Nacht der Jugend am 9. November 2009

von 19-23 Uhr im Hamburger Rathaus
mit einem Infotisch und einer Veranstaltung

 Wir laden herzlich ein!

Kommt vorbei!

Die Zeitzeugin Steffi Wittenberg und das
Hamburger Bündnis gegen Rechts diskutieren zur Frage
"Was bedeutet Antifaschismus heute?"
Mo., 9.11.09, 20 Uhr, Raum B, Hamburger Rathaus

Programm der Nacht der Jugend hier

Weitere Infos: rathausnacht

Infolge der Judenverfolgung in der NS Zeit ist Steffi Wittenberg 13jährig mit ihrer Familie 1939 aus Hamburg nach Montevideo, Uruguay geflohen. Die uruguayische Bevölkerung war antifaschistisch orientiert und sympathisierte mit dem Kampf der Alliierten gegen Nazideutschland. Steffi lernte dort ihren späteren Mann Kurt Wittenberg kennen, dessen Schwester Ruth 1937 aus Ostpreußen im Kindertransport in die USA geschickt worden war. 1947 fuhr Kurt mit seiner Familie nach Houston, Texas zur Wiedervereinigung mit seiner Schwester. Steffi folgte ihm ein Jahr später und sie wurden ein Paar.

In Texas herrschte noch eine strikte Rassentrennung, die von fortschrittlichen Kräften bekämpft wurde. Steffi und Kurt nahmen gerade aufgrund ihrer Erfahrung daran teil. Im Zuge der antikommunistischen McCarthy-Kampagne haben die Wittenbergs Texas 1951 verlassen, leben seitdem in Hamburg und engagierten sich in der antifaschistischen Bewegung.

Steffi Wittenberg wird erläutern, warum es noch heute wichtig ist, gemeinsam mit allen Demokraten gegen die neuen Nazis aktiv zu werden, ohne gesellschaftskritische Gruppierungen auszuschließen. Und sie wird erläutern, warum die Nazibarbarei mit keiner Diktatur gleichgesetzt werden kann.

-----------------

Antifaschistische Politik
muss auch im Rathaus möglich sein!

Neben vielen anderen Organisationen wurde auch dem „Hamburger Bündnis gegen Rechts“ (HBgR) mitgeteilt, wir seien bei der "2. Nacht der Jugend" herzlich willkommen. Gleichzeitig wurden wir allerdings darüber informiert, dass VertreterInnen von DKP und Avanti, die von Anfang an wesentliche Beiträge zur Arbeit des Bündnisses geleistet haben, von der Teilnahme ausgeschlossen werden sollten. Auch entsprechende Materialien dürften nicht ausgelegt werden. Inzwischen konnte geklärt werden, dass alle MitstreiterInnen des HBgR an der „Nacht der Jugend“ teilnehmen können. Wir begrüßen es, dass die in der Bürgerschaft vertretenen Parteien nun alle antifaschistischen Organisationen des HBgR eingeladen haben. Trotzdem möchten wir noch einmal darlegen, warum antifaschistische Politik vielfältig sein muss:

Erklärung als PDF-Datei: hier

 

„Als die Nazis die Kommunisten holten,
habe ich geschwiegen,
denn ich war ja kein Kommunist.

Als sie die Sozialdemokraten einsperrten,
habe ich geschwiegen,
ich war ja kein Sozialdemokrat.

Als sie die Gewerkschafter holten,
habe ich geschwiegen,
ich war ja kein Gewerkschafter,

Als sie mich holten,
gab es keinen mehr,
der protestieren konnte.”


Pfarrer Martin Niemöller
* 14. Januar 1892 in Lippstadt;
gest. 6. März 1984 in Wiesbaden

 

Hintergründe und Aktuelles
zu der verpassten Entnazifierung in Eimsbüttel

Das Hakenkreuz an der "Robert-Finn-Halle"

 


Kommt heute zur Protestveranstaltung!

"Hakenkreuze am ETV-Gebäude!"
(Eimsbüttler Turnverein)

Mo., 19. Oktober 2009, 18 Uhr
vor dem ETV, Bundesstraße 96, Eimsbüttel

Flugblatt hier

Es sprechen:
Esther Bejarano, Überlebende des Mädchenorchesters von Auschwitz,
Cornelia Kerth, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Hamburg (angefragt)
Peter Gutzeit, 1. Vorsitzender Eims-Net e.V.

Bringt Hammer & Meißel mit, um die verschlafenen ETV-Funktionäre symbolisch wach zu klopfen.

Sport ja – aber ohne braune Soße.

Wir fordern

  • die Entfernung der Haken- und Eisernen Kreuze
  • des „Ehrensteins“ und
  • die sofortige Umbenennung aller nazibelasteten Orte nach Menschen, die den Nazis die Stirn geboten haben

Aufruf (PDF) des Hamburger Bündnis' gegen Rechts

Pressemitteilung des Hamburger Bündnis' gegen Rechts


Erfolgreiche Demonstration des Hamburger Bündnisses gegen Rechts

Am 11. September 2009 haben in der Hamburger Innenstadt insgesamt 5.000 Menschen ihren Protest gegen die neofaschistische NPD auf die Straße getragen.

Auf der Demonstration des HBGR waren insgesamt 4.000 junge und alte AntifaschistInnen, darunter Verfolgte des Naziregimes, Menschen aus Gewerkschaften, Kirchen und Religionsgemeinschaften und den Parteien SPD, GAL und DIE LINKE sowie aus vielen anderen Organisationen.

Die Vielfalt des Protestes spiegelte sich in den Beiträgen von ca. 20 RednerInnen wieder. Parallel zur Demonstration haben mehr als 1.000 Menschen teilweise mit Erfolg versucht, den Platz der Nazis am Berliner Tor zu besetzen.

Die Vielfältigkeit des Protestes gegen den Nazi-Aufmarsch führte dazu, dass die militante Naziszene der NPD erst nach Einbruch der Dunkelheit eine 45 minütige Kundgebung in vollständiger Isolation auf dem Parkplatz am Berliner Tor abhalten konnte.

Cornelia Kerth, Anmelderin der Demonstration und Bundesvorsitzende der VVN-BdA: „Wir freuen uns, dass so viele Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen gemeinsam gegen die menschenverachtende Ideologie der NPD demonstriert haben. Wir haben damit gezeigt, dass in
Hamburg keinen Platz für Nazis gibt.“

Das Hamburger Bündnis gegen Rechts verurteilt den unverhältnismäßigen Polizeieinsatz vor allem gegen junge AntifaschistInnen, die den Nazikundgebungsort von allen Seiten umzingelt hatten. Die Polizei trieb mit einem Schlagstockeinsatz GegendemonstrantInnen am Berliner Tor auf die Spaldingstr. in den fließenden Verkehr und löste damit eine heftige Eskalation aus.

Es ist höchste Zeit, dass der CDU-GAL-Senat sich für ein NPD-Verbotsverfahren einsetzt, anstatt antifaschistischen Protest in Hamburg zu kriminalisieren.

Pressemitteilung, Doc

Info zur Polizeistrategie 

Presse:
taz, 08.09.09: Schanze gegen NPD

Einladung Pressekonferenz, PDF 

Hamburger Abendblatt, 07.09.09:  Ausschreitungen in Hamburg befürchtet 

Welt online, 05.09.09Erstes Schanzenfest zieht 60 Verfahren nach sich

Hamburger Abendblatt, 04.09.09: Polizei lehnt Rieger als Veranstaltungsleiter ab


Vor der Bundestagswahl 2009 möchte das Hamburger Bündnis gegen Rechts eine Möglichkeit schaffen, AKTIV gegen Nazis zu werden. Es soll keine Orte geben, an denen Nazis ungestört ihre Propaganda verbreiten können. Wir wollen mit möglichst vielen Menschen deutlich machen. 

Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.

Wir werden nicht zulassen, dass Nazis ihre menschenverachtende Ideologie als normale, vom Grundgesetz geschützte politische Meinungsäußerung verkaufen können und in den Straßenalltag der Menschen in dieser Stadt tragen. Deshalb rufen wir dazu auf

Hinzuschauen und sich einzumischen, wenn Faschisten in Hamburg öffentlich sichtbar sind.

Wir haben braune Müllsäcke mit dem Logo 'Nazipropaganda in den Müll' produziert. Und so funktioniert die Aktion brauner Sack: 
  • Du wirst über einen SMS-Verteiler über NPD-Infostände informiert
     
  • An ausgewählten Orten sind Aktionstüten zur Abholung bereit. In diesen befinden sich braune Müllsäcke mit dem Logo 'Nazipropaganda in den Müll' sowie Informations-material.

    Diese Müllsäcke sollen in direktem Umfeld (z.B. eines NPD-Infostandes) als Aufforderung an alle Passanten genutzt werden, die Nazipropaganda wieder zu entsorgen. Das Informationsmaterial kann verteilt werden, um zu informieren und die Nazis zu entlarven

  • Wer keine Aktionstüte oder eigene Ideen hat, kann sich die Mülltüten auch selber basteln und die Materialien von unserer Homepage runterladen

 Jetzt schon informieren
in SMS-Verteiler eintragen
Aktionstüten vorbereiten

Die Kampagne Aktion Brauner Sack fand mit der Bundestagswahl ihr Ende.

Das Hamburger Bündnis gegen Rechts sagt:


Vielen Dank !

Hunderte von Menschen haben in den letzten 2 Monaten jedes Wochenende dazu beigetragen, neofaschistische Propaganda in Hamburg zu behindern. Bei fast jedem Infostand der NPD seit Anfang August wurde mittels der Aktion Brauner Sack die Nazi-Propaganda in den Müll entsorgt. Im Rahmen der Aktion wurden Tausende von Flugblättern verteilt und mehrfach Kundgebungen durchgeführt. Die Hamburger Medien berichteten ausführlich über die antifaschistischen Aktivitäten zum Bundestagswahlkampf. Wir haben viele neue Kontakte zu Gruppen, Organisationen und in die Stadtteile geknüpft und es gibt immer noch Interesse an weiterem Protest gegen Nazi-Propaganda in Hamburg.

Die Aktion Brauner Sack hat somit, zusammen mit der großen Demonstration am 11. September, einem Antifa-Konzert in der Fabrik, der Öffentlichmachung zentraler Hamburger Nazi-Kader, der Entsorgung fast aller NPD-Plakate aus dem Stadtbild und weiteren vielfältigen Aktionen dazu beigetragen, dass die NPD in Hamburg eine Schlappe erlitten hat. Sie hat mit 0,9 % trotz intensiver Bemühungen unter ihrem Vorsitzenden Jürgen Rieger nicht einmal das Ergebnis von 2005 erreicht und über 2.000 Stim- men verloren. Das ist auch unser Erfolg!

Eine ausführlichere Einschätzung zu der „Aktion Brauner Sack“ und Pläne für weitere antifaschistische Aktivitäten werden demnächst folgen.

Der SMS-Verteiler zur Aktion, ist wie versprochen, gelöscht worden. Wer weiterhin gelegentlich, kurzfristig über Aktionen der Nazis und antifaschistischen Protest per SMS informiert werden möchte, kann sich bei unserem neuen SMS-Verteiler anmelden. Sende dazu eine SMS mit go Hbgr (exakte Schreibweise mit 1x Leerstelle) an die Nummer 84343. Als Bestätigung, dass Du in den neuen SMS-Verteiler eingetragen bist, bekommst Du die SMS: Liebe(r) Antifaschist(in), Du bist in den neuen sms-Verteiler eingetragen. HBgR.


Always antifascist, Euer HBgR
                                           


 

 

 

 

 

„Alles muss man selber machen: rechtsfreie Räume schaffen - Weg mit der NPD!“

 ist eine weitere Kampagne zur NPD.

 

Diese Kampagne agiert über Hamburgs Grenzen hinaus und will mit vielfältigem, breitem und kreativem Protest in den Wahlkampf der NPD eingreifen. Weitere Einzelheiten hier:


                                  

 

 

 

 

 

Ohlsdorfer Friedensfest vom 25.07. - 16.08.2009

 Unter dem Titel „Ohlsdorfer Friedensfest“ finden im Juli und August zahlreiche Veranstaltungen zum Gedenken an die Opfer des Bombenkrieges auf dem Ohlsdorfer Friedhof statt.

Der Hamburger Feuersturm im Juli und August 1943 hat tiefe Spuren in der Stadt hinterlassen. Zahlreiche Hamburgerinnen und Hamburger, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge wurden zu Opfern; der Bombenkrieg traumatisierte die Überlebenden schwer. Diese Katastrophe war kein Naturereignis, sondern eine Antwort auf die nationalsozialistische Herrschaft, die den Zweiten Weltkrieg ausgelöst hat. Der Krieg kehrte erbarmungslos in die Stadt zurück.

Etwa 34.000 Menschen sind am Bombenopferkreuz im Osten des Ohlsdorfer Friedhofs beigesetzt. Die Opfer des Bombenkrieges dürfen nicht dazu missbraucht werden, die Ursachen des Zweiten Weltkrieges umzudeuten und die Verbrechen des Nationalsozialismus zu relativieren. Mit dem Ende der Generationen, die der Erfahrung des Bombenkrieges ausgesetzt waren, hört die Tradition der mündlichen Überlieferung auf. Um die Botschaft dieses Teils der Geschichte - Nie wieder Krieg, nie wieder Gewaltherrschaft - für die heutigen und die folgenden Generationen unmissverständlich auszusprechen, müssen neue Formen der Erinnerung gefunden werden. Wer waren die Opfer des Bombenkrieges? Wie konnte es so weit kommen?

Die Kriegsereignisse bedeuteten auch Verfolgung und Widerstand. Welche Opfer waren hier zu beklagen? In welchem Zusammenhang stehen Nazidiktatur, Verfolgung und Krieg? Dies sind die Fragen, die im Rahmen verschiedener Teilveranstaltungen gestellt und bearbeitet werden.    


Das Bündnis „Ohlsdorfer Friedensfest“
- Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. / Landesverband Hamburg
- Mobiles Beratungsteam gegen Rechtsextremismus
- Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes. Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA)
- Hamburger Bündnis gegen Rechts
- KZ-Gedenkstätte Neuengamme
- Willi-Bredel-Gesellschaft
- „Laut gegen Nazis“ - Rechte Gewalt kann jeden treffen
- Psychosoziale Arbeit mit Verfolgten e.V.

Unterstützt von

- Hamburger Friedhöfe -AöR-
- Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, Hamburg




PRESSE



Ohlsdorfer Friedensfest:
Rede von Herrn Dr. Landgrebe zum Gedenken an die Opfer des Bombenkrieges



Am 25. Juli 2009 wurde das Ohlsdorfer Friedensfest feierlich eröffnet. Wir veröffentlich hier die Ansprache von Herrn Dr. Detlev Landgrebe (Notgemeinschaft der durch die Nürnberger Gesetze Betroffenen e.V. & Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V.) zum Gedenken an die Opfer des Bombenkrieges


            Im Juli 1943 als in den Bombennächten weite Teile Hamburgs verwüstet wurden und 34.000 Menschen im Feuersturm ums Leben kamen, war ich 8 Jahre alt. Wir wohnten damals in Reinbek. Kurz vor den Bombennächten brachte mein Vater mich in ein Kinderheim in Kärnten. Auf der Fahrt mit dem Vorortzug zum Hauptbahnhof sah ich zwischen den Stationen Tiefstack, Rothenburgsort und Berliner Tor aus dem Fenster links und rechts des Zuges die unendlichen Reihen von Mietskasernen. Die Stadtteile Billbrook und Rothenburgsort waren damals eng bebaut. Alles war unversehrt und in Ordnung abgesehen von der großen Armut, die auch rein äußerlich diese Stadtteile prägte. Im Oktober 1943 holte mein Vater mich wieder aus Kärnten ab. Er hatte mich nicht darauf vorbereitet, was ich auf der Rückfahrt vom Hauptbahnhof nach Reinbek sehen würde. Daher traf mich schockartig der Anblick der zerstörten Stadt bis zur Station Tiefstack. Es gab keine Häuser mehr und keine Straßen, nur noch riesige Trümmerflächen. Trümmerhaufen zwischen denen sich schmale Pfade schlängelten, auf denen kein Mensch zu sehen war.

            Ich habe diesen Anblick bis heute – 66 Jahre später – nicht vergessen. Wie damals üblich wurde darüber nicht geredet. Mein Vater schien sich keine Gedanken darüber gemacht zu haben, wie dieser Anblick ein Kind verstören könnte. Nur rechts von der Station Tiefstack waren einige Hausmauern aus roten Klinkern mit ihren rauchgeschwärzten Fensteröffnungen erhalten. Hinter den Mauern war nur Leere. Wenn ich nach dem Krieg die Station Tiefstack passierte, habe ich jedes Mal nach den Mauerresten Ausschau gehalten und mich gefragt, was man mit ihnen – für mich ein Denkmal an die Hamburger Bombennächte - wohl machen würde. Später wurden sie in die Neubauten von Wohnungen einbezogen. Ich kann sie heute rechts der Station Tiefstack immer noch sehen. Mein Denkmal ist also erhalten. Nur habe ich das Gefühl, dass außer mir niemand daran denkt, was es mit diesen Mauerresten, auf sich hat.

            Ich stamme aus einer Familie, die wegen der jüdischen Herkunft meiner Mutter von den Nazis verfolgt worden ist. 

            Manche Familienmitglieder wurden ermordet, viele wurden aus Deutschland vertrieben. Mein Großvater wurde als Jude nach Theresienstadt deportiert, obwohl er ein gläubiger Protestant war. Die große Familie wurde zerstört. Nur meine Eltern, mein jüngerer Bruder und ich haben dank der sogenannten arischen Herkunft meines Vaters und dank der Hilfe von zwei einflussreichen Männern in Reinbek überlebt. Für mich war die Nazizeit eine Zeit der Angst. Wenn ich hier die Ansprache zum Gedenken an die Toten des Feuersturms in den Julitagen 1943 halte, ist das keine einfache Aufgabe für mich. Ich bin aufgrund meiner Geschichte gewohnt, mich privat und in der Öffentlichkeit der Ermordung der Juden zu erinnern. Diese Aufgabe hier ist neu und schwierig für mich. Ich will das an einem Zeugnis meines Großvaters  anschaulich machen.

             Er schreibt in seinem Bericht über Theresienstadt – er hat die Deportation überlebt: Man sah ein gewaltsames Ende voraus, wusste aber nicht, wie und wann es eintreten würde. Würde der Krieg gewonnen? Würde man dann durch SS-Flieger-Bomben vernichtet oder mit Maschinengewehren zusammengeschossen? Und wurde der Krieg verloren, war dann das Schicksal nicht erst recht das gleiche – es sei denn, dass die Befreier noch rechtzeitig als Befreier kämen; die Feinde, die mit Tücherwinken aus den Höfen begrüßt wurden, wenn die Angriffsstaffeln die Stadt überflogen. Was bedeuten diese Worte für uns? Unser heutiges Gedenken an die 34.000 Toten des Feuersturms im Juli 1943 steht in einer Spannung: Für die einen Deutschen verband sich mit den Bombenangriffen der Engländer und Amerikaner die Hoffnung, durch einen baldigen Zusammenbruch Deutschlands im letzten Moment der Ermordung durch die Nazis zu entkommen. Haben vielleicht die Bombardierungen der deutschen Städte dazu beigetragen, dass Deutschland rechtzeitig genug zusammenbrach, um mir das Leben vor den Nazis zu retten? Für die anderen Deutschen brachten die Bombenangriffe nichts als einen entsetzlichen Tod im Feuersturm.

             
Wie gehen wir heute mit dieser Spannung um, von der ich mich bis heute noch nicht ganz habe befreien können? Als erstes müssen wir lernen zu akzeptieren, dass diese Spannung Teil unserer deutschen Geschichte ist. Die Nazis haben unser Volk gespalten in die einen und in die anderen, die ermordet werden sollten. Im Gedenken an die Toten des Feuersturms sollte sich diese Spannung aber auflösen. Der Tod eint Gerechte und Ungerechte. Im Feuersturm starben Kinder, schwangere Frauen, alte Menschen, Zwangsarbeiter deutsche Soldaten, Feuerwehrleute, Polizisten und andere, die helfen wollten, Nazis und Antinazis, Schuldige und Unschuldige. Bei dem Gedenken an diese Katastrophe versagen die Worte, um das Ausmaß  menschlicher Leiden zu beschreiben. Es bleibt kein Raum für den Gedanken, der Feuersturm sei die unausweichliche Konsequenz davon gewesen, dass Deutschland am 2. Weltkrieg und an der Ermordung der Juden schuldig geworden ist. Noch viel weniger Raum ist für die rachsüchtigen Gedanken der Rechtsradikalen, die den Feuersturm als Bombenholocaust bezeichnen. Sie wollen das Gedenken an die Toten nutzen, um Hader und Zwietracht zu säen. Sie blicken nur nach rückwärts. Wir aber wollen nach vorwärts blicken. Wir wollen die Toten des Feuersturms jenseits aller Gräben dadurch ehren, dass wir ihren Tod als Mahnung begreifen, für Frieden zu arbeiten. Nie wieder sollen rachsüchtige Rechtsradikale in unserem Land etwas zu sagen haben. Sie stören den Frieden der Toten, den wir bewahren möchten und in deren Namen wir für den Frieden arbeiten wollen. (Dr. Detlev Landgrebe)

 

img 0066 1

Unsere früheren Aktivitäten findet Ihr im Archiv