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Obwohl die Hamburger Burschenschaft Germania (HBG) seit Jahren in den Berichten des örtlichen Verfassungsschutzes (VS) erwähnt und noch länger beobachtet wird, hat es einer ihrer Alten Herren bis in den höheren Dienst im Verteidigungsministerium geschafft. Ob er aktuell noch Mitglied ist, darüber schweigt er lieber.

Jan (Peter Philip) Ganschow ist Regierungsdirektor im Bundesministerium der Verteidigung, Referat SE III 5 und Mitarbeiter im Einsatzführungskommando der Bundeswehr. In dieser Eigenschaft hielt er 2018 ein Referat „Humanitäres Völkerrecht in der Praxis – Bericht aus dem Einsatz“ bei einer Tagung seines Ministeriums in Wustrau. Mit dem Thema ist Ganschow vertraut, schon 2003, als Oberleutnant der Reserve, referierte er auf einem Symposium „Völkerrecht im 21. Jahrhundert“, damals allerdings neben anderen rechtslastigen Akademikern bei der Münchner Burschenschaft Danubia. Diese wurde in dem Jahr von den bayrischen Behörden wegen Kontakten in die militante Naziszene beobachtet. 2009 lehrte Ganschow an der „Schule für Feldjäger“, welche mit ihren militär-polizeilichen Befugnissen eigentlich auch „extremistische“ Betätigungen abwehren soll, 2010 promovierte der Jurist in Hamburg. In den Jahren 2009 bis 2015 fand er als Alter Herr der Germania allerdings noch Zeit Bücher im Ares-Verlag zu publizieren. Der österreichische Verlag verlegt Literatur mit Überschneidungen von konservativen und extremen Rechten.

Geschichtsrevisionistisches Machwerk
Ganschows Werk „Die Befreiungskriege und das Ende des Napoleonischen Zeitalters“ wurde in der Militärgeschichtlichen Zeitschrift (MGZ), der Fachzeitschrift des  Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr vernichtend rezensiert. Der ausgewiesene Experte Peter Andreas Popp, Historiker der Bundeswehr, attestiert den Herausgebern: „Zwischen den Zeilen permanent die Agitation von sich als wenigstens ‚neokonservativen Freiheitskämpfer’ verstehenden Zeitgenossen gegen ein vermeintlich offizielles, da durch den demokratischen Staat verordnetes Militärgeschichtsbild.“ Ganschow und Ko-Autor Olaf Haselhorst hätten teilweise grundlegende Standartliteratur ignoriert, stattdessen häufig auf „auf rechte bzw. völkische Tendenzliteratur“ verwiesen. Popp vermutet, dass wohl kein seriöser Verlag jemals das Werk verlegt hätte.



Ganschow schweigt zu seiner Mitgliedschaft
Der SPIEGEL schrieb im Mai 2014 „Verfassungsschutz beobachtet Hamburger Burschenschaft“. Im Hamburger VS-Bericht für das Jahr 2014 hieß es dann unter „Sonstige rechtsextremistische Bestrebungen“, die HBG ist eine von „zwei Verbindungen, von denen nach Einschätzung des LfV rechtsextremistische Bestrebungen ausgehen“, und widmete den braunen Burschen ganze sechs Seiten. Zu dieser Zeit war Ganschow nachweislich noch Mitglied der Germania, er befindet sich auf einer so genannten Bierliste vom Mai 2015, welche die Bierschulden der trinkfreudigen Kameraden detailliert auflistet. Am 13. Oktober 2015 trat dann ein weiterer höherer Militär, Stefan S., aus der HBG aus, weil er um seinen Job als Militärarzt fürchten musste. Die Austrittserklärung von S. ging auch an Ganschow. Weil dem Hamburger Bündnis gegen Rechts (HBgR) eine Austrittserklärung von Letzterem nicht bekannt ist, seine Burschenschaft allerdings im Facebook-Auftritt erklärt: „Die Mitgliedschaft in einer Burschenschaft ist nicht vergleichbar mit der irgendeines Vereines. Wir sehen uns als Lebensbund, dem man bis zum Tod angehört“, schrieben wir Ganschow am 22. September 2020 an. Wir baten ihn (mit Fristsetzung) um Auskunft, ob eine Mitgliedschaft in einer rechtsextremistischen Vereinigung mit dem § 8 des Soldatengesetzes vereinbar sei, oder ob er uns per eidesstattlicher Erklärung versichern könne, zu einem bestimmten Datum seine braune Burschenschaft verlassen zu haben. Eine Antwort des Regierungsdirektors steht bis heute aus.

Hamburger Bündnis gegen Rechts

 

 

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